Armin
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Tour d'Armin
Armin KöhliRoutenplanTour d'AfriqueWOZ-KolumneTour gegen MinenArchivSponsoren
armin@tourdarmin.ch
 
geboren 29.11.1965, Wohnort Hinteregg/ZH
Redaktor der WochenZeitung (WoZ)
Behindertensportler
Ultradistanz-Radfahrer
Beidseitig unterschenkelamputiert
 
Erfolge im Behindertensport
Schweizer Meisterschaften Strasse und Zeitfahren, von 1997–2003:
2 mal Gold, 5 mal Silber, 2 mal Bronze
Europameisterschaften 1999 Blois: Bronzemedaille im Strassenrennen,
2 mal Vierter, 1 mal Fünfter
Paralympics 2000 Sydney: 5. Platz Strassenrennen
Siege bei Rennen in Vassivière (F), Mably (F), Mulhouse, Frankfurt a.M.
 
Erfolge bei Langdistanz- und Ultradistanzrennen für
Nichtbehinderte
2001 1. Platz Many Hill Show, Zürich (209 Kilometer)
2002 Finisher Bern-Bodensee-Bern,
614 Kilometer in 30 Stunden 9 Minuten
2003 Finisher Bern-Bodensee-Bern,
609 Kilometer in 26 Stunden 14 Minuten
   
Interview mit Armin Köhli zwei Monate vor Beginn der
Tour d'Afrique


Frage: Wie trainierst Du zur Zeit?
Armin Köhli: Ich habe gerade eine Erholungsphase hinter mir. Letzte Woche habe ich mit einem Aufbautraining begonnen. Das heisst, ich sitze jeden Tag durchschnittlich anderthalb Stunden auf dem Sattel. Später folgen Ausdauertraining und Spitzenbelastungen. Ende Dezember gibt es nochmals eine Erholungswoche. Und bevor ich nach Kairo fliege, an den Start des Rennens, trainiere ich nochmals Spitzenbelastungen.

Hast Du einen Trainer?
Nein. Ich habe aber den Trainingsaufbau mit meinem früheren Trainer besprochen. Ich wollte mich absichern und keine Fehler machen. Ich trainiere nicht nach gefahrenen Kilometern, sondern nach Zeit und Pulsfrequenz. Leider muss ich zusätzlich Protein schlucken, um die Muskelmasse im Ausdauertrainig nicht wieder abzubauen.

Du trainierst nur auf dem Velo?
Ich mache alles auf dem Velo, sogar das Krafttraining. Ich habe zu Hause eine Rolle, in die ich mein Velo einspannen kann.

Macht dir das intensive Training Spass?
Ja. Vieles ist zur Routine geworden. Ich singe, wenn ich im Regen unterwegs bin. Ich kann mir mein Leben ohne Velofahren nicht mehr vorstellen. Es ginge mir schlecht.

Hast du eine Lieblingsstrecke?
Eine eigentliche Lieblingsstrecke habe ich nicht. Ich muss immer wieder neue Strecken ausprobieren, damit es nicht monoton wird. In meinem Trainingsrayon von 60 Kilometern um die Stadt Zürich herum finde ich immer wieder neue Wege und Strassen. Ich weiss aber immer genau, wo ich bin. Und ich weiss oft auf die Minute genau, wie lange ich brauche.

Bei der Tour d'Afrika wirst Du verschiedene Strassenunterlage haben: Teer, Feldwege, Sand. Wie bereitest du dich darauf vor?
Vor Ägypten habe ich keine Angst. Am Anfang werden es Teerstrassen sein wie bei uns. Danach werden die Strassen sukzessive schlechter: Wir werden aber meistens auf Pisten fahren, die von Lastwagen benutzt werden. Ich kann mich auf den Strassenbelag nicht wirklich vorbereiten. Viel wichtiger ist mein physischer Zustand: Darum ist es besser, wenn ich meinen Körper gut trainiere.

Wie trainieren andere TeilnehmerInnen?
Ich weiss es nicht. Es würde mir auch nicht helfen, wenn ich es wüsste. Ich kenne meinen Körper gut und ich weiss, wie ich ihn trainieren muss.

Gibt es Mindestbedingungen an das Training von Seiten der Organisatoren der Tour d'Afrique?
Nein. Es heisst bloss, du solltest fit sein.

Seit wann machst du Behinderten-Velorennsport?
Seit neun Jahren. Jetzt beginnt die zehnte Saison.

Wie begann diese Passion?
Den Juli 1995 habe ich vor dem Fernseher verbracht und die Tour de France geschaut. Doch ich befürchtete, träge und fett zu werden. Da habe ich mir ein altes Rennvelo für 100 Franken besorgt und bin losgefahren. Es tat mir gut. Nach kurzer Zeit habe ich als Behinderter Nicht-Behinderte am Berg überholt. Bald begann ich, bei Behinderten-Velorennen zu starten. Erfolgreich!

Du hast den Sport immer alleine betrieben?
Mir gefällt es, im Sommer morgens um halb sechs aufzustehen und aufs Velo zu steigen. Oder über Mittag mich schnell auf den Sattel zu schwingen. Radfahren kann ich trainieren, wann ich Lust habe. Da muss ich nicht jeden Mittwoch Abend um halb acht in der Turnhalle sein.

Velofahren ist doch ein Teamsport.
Im Behindertensport ist es kein Teamsport. Und Ultradistanzrennen, wie ich sie betreibe, sowieso nicht.

Wieso fährst Du Ultradistanzrennen?
Die Bahnrennen gefielen mir nicht. Ich wollte nicht die ganze Zeit an meiner Position arbeiten, das perfekte Scheibenrad suchen. Strassenrennen gefielen mir da schon besser. Ich bestritt auch einige mit Erfolg. Aber du musst viel herumreisen, das ist teuer. Ich bevorzuge lange Rennen. Es interessiert mich immer wieder, wie lange es geht, bis ich vom Sattel falle (lacht).

Sind Ultradistanzrennen eine eigene Rennkategorie?
Nicht wirklich. Es gibt Radmarathons: Die haben eine Rennstrecke über 200 Kilometer. Die Ultradistanzrennen, die ich gefahren bin, sind so um die 600 Kilometer, die man an einem Stück fährt.

Du hast auch an den Paralympics 2000 in Sydney teilgenommen.
Ich kam in die Qualifikation und wurde vom Behindertensportverband und dem paralympischen Komitee ausgewählt. Ich schaffte es im Strassenrennen auf den fünften Platz, für mich war es ein Topresultat. Vielleicht war ich aber einfach schon ein bisschen zu müde Ende Oktober, sonst hätte es vielleicht sogar für eine Medaille gereicht.

Im Behindertensport nehmen verschiedene Personen mit verschiedenen Behinderungen teil. Kann die Leistung in einem Rennen überhaupt verglichen werden?
Im Behindertensport wird zwischen «standing» und Rollstuhl unterschieden. Der Velorennsport ist per se «standing». Weiter gibt es verschiedene Unterkategorien nach Anzahl der Glieder, die dir fehlen. Das Ganze ist sehr unübersichtlich und unter den SportlerInnen eine ewige Diskussion. An sich ist die Einteilung meiner Meinung nach so korrekt, wie es eben möglich ist. Aber es gibt zu viele Kategorien. Die Sportverbände sind daran, mehr Klarheit zu schaffen.

Trainierst Du anders als ein «normaler» Velorennsportler?
Ich trainiere prinzipiell nicht anders als ein Nicht-Behindertensportler. Ich habe aber mehr Reibungsfläche, meine Stümpfe können sich verändern. Davor habe ich Respekt in Afrika: Wenn ein Stumpf nicht mehr in die Prothese passt, dann habe ich ein Problem.

War würdest du machen in einem solchen Fall?
Mein Orthopädist wird mir noch beibringen, wie ich die Prothesen selber bearbeiten kann. Wir werden auch noch zusammen eine Prothese bauen, damit ich bis ins Detail weiss, wie eine Prothese aufgebaut ist. So sollte ich bei einem Notfall auch in Afrika in der Lage sein, meine Prothese zu reparieren oder anzupassen.

Den Velorennsport machst du in deiner Freizeit. Hauptberuflich bist du Journalist bei der Wochenzeitung WOZ. Wie kam es dazu?
Mit Freunden habe ich während der Jugendbewegungszeit anfangs der Achtzigerjahre eine autonome Lerngruppe gegründet. Ich habe so die Matur gemacht. Danach habe ich beim Schweizerischen Studentenreisedienst (SSR) Reisen produziert und verkauft. Zwischendurch bin ich zweimal nach Syrien gegangen, um Arabisch zu lernen. Ich arbeitete auch als Programmkoordinator beim Radio Lora. Ich stieg später in ein das Getränkekollektiv Intercomestibles ein und habe dort die Administration und den Verkauf organisiert. Während dieser Zeit habe ich angefangen, für die WOZ Reportagen aus den arabischen Ländern zu schreiben.

Wie wurde dein Interesse für den arabischen Raum geweckt?
Per Zufall erhielt ich 1985 ein Ticket geschenkt für eine Fährenüberfahrt nach Tunis. Ich bereiste so Tunesien und Algerien – und verstand nicht, was in diesen Ländern vor sich ging. Ich beschloss, nie mehr in ein Land zu reisen, dessen Sprache ich nicht spreche. Das konnte ich natürlich nicht einhalten. Aber ich lernte Arabisch.

Was zieht dich jetzt nach Afrika?
Beides: Afrika und das Velorennen, der sportliche Aspekt und die Landschaft, die Menschen auf diesem Kontinent.

Wie bist du konkret auf das Rennen gestossen?
Im Januar 2003 habe ich eine Notiz darüber in einem Velomagazin gelesen. Ich habe dann die Internetseite besucht. Zuerst dachte ich, dass schaffe ich nie. Anfangs Juli entschied ich mich dennoch, am Rennen teilzunehmen.

Du bist der erste, der mit einer Behinderung an diesem Rennen teilnimmt?
Letztes Jahr ist ein Blinder auf einem Tandem durch Kenia mitgefahren. Er verlor sein Augenlicht 1998 beim Bombenanschlag auf die US-Botschaft in Nairobi.

Gibt es in Afrika Behindertensport?
Es gibt ihn nur marginal, es fehlt am Geld. Im Tschad habe ich 1999 ein Projekt von BehindertensportlerInnen besucht. In Ghana waren zu dieser Zeit die afrikanischen Behindertensportwettkämpfe und die Tschader konnten nicht hinreisen, weil sie kein Geld hatten.

War erwartest Du von diesem Rennen sportlich?
Ich will gesund ins Ziel in Kapstadt einfahren. Ich habe keine Ambitionen auf einen bestimmten Rang. Die Chancen sind intakt, dass ich ankomme. Ich weiss aber auch, was alles passieren könnte.

Was sind die Risiken während des Rennens?
Das grösste Risiken sind wohl Durchfall und Magenprobleme. Sonnenstiche, Malaria und Infektionen sind zusätzliche eine Gefährdung. Grössten Respekt habe ich vor Passagen, auf denen ich nicht mehr fahren kann. Dann müsste ich absteigen und das Velo stossen. Ich könnte das wegen meiner Prothesen nur wenige Kilometer durchhalten.

Wie steht es um Gefahren wie Kriminalität oder Kriege?
Das wohl gefährlichere Problem ist der Verkehr. Letztes Jahr gab es einen Verkehrsunfall. Die Verunfallte musste das Rennen abbrechen. Wir sind eine grosse Gruppe, manchmal sogar in einem grossen Konvoi, und erzeugen so grosse Aufmerksamkeit. Das bietet uns hoffentlich Schutz. Durch Kriegsgebiete fahren wir nicht.

Du hast gesagt, ihr werdet Aufsehen erregen. Wie wird wohl die Bevölkerung reagieren?
Ich denke, positiv. Wir sind sicherlich ein grosses, nicht alltägliches Ereignis. Und als Amputierter mit einer High-Tech-Prothese werde ich wohl noch stärker angeschaut.

Wirst Du deine Prothesen zeigen?
Wenn ich auf dem Velo bin, werden die Leute meine Prothese sehen. Sie werden genau registrieren, dass da einer mit Prothesen auf einem Velo vorbeifährt. Das ist ungewöhnlich, in Afrika erst recht. In vielen afrikanischen Ländern sind Behinderte ausgegrenzt. Vielleicht ermöglicht meine Teilnahme, dass der Behindertensport in Afrika mehr Profil erhält.

Du willst mit deiner Teilnahme auch den Kampf gegen Landminen unterstützen.
Der grösste Teil der Amputationen in der Dritten Welt geht wohl auf Kosten von Minenunfällen. Wenn ich das Selbstwertgefühl von amputierten Minenopfern steigern kann, wäre das sehr schön. Ich möchte aber auch mithelfen, dass es erst gar keine Minenopfer gibt. Darum unterstütze ich Projekte in der Minenräumung und den politischen Kampf gegen Landminen und Streubomben.

Können interessierte Personen dir helfen bei diesem Kampf gegen Landminen?
Ich habe ein Spendenkonto eröffnet. Private oder Firmen können beispielsweise für jeden Kilometer, den ich zurücklege, einen gewissen Geldbetrag spenden. Wenn ich es bis Kapstadt schaffe, sind es etwa 10'000 Kilometer. Für jeden Kilometer ein Rappen macht 100 Franken.
Interessierte können sich per e-mail an spenden@tourdarmin.ch melden.
 
Das Postcheckkonto lautet:
30-226134-8
Verein Tour d'Armin
Velofahren gegen Landminen
3014 Bern.
 
Ausserdem kann man ein wöchentliches SMS mit Neuigkeiten von mir aus Afrika abonnieren. Das kostet pro SMS 3 Franken, und ich schicke sie, solange ich im Rennen bin. Maximal also 20 SMS. Wer das will, schickt einfach ein SMS mit der Mitteilung "Start armin" an die Nummer 9099 (Zum Abbestellen: "Stop Armin" an 9099) . So kriegt man direkte Post von mir aus Afrika, und man spendet gleichzeitig einen kleinen Betrag.

Wen unterstützt Du mit diesem Geld?
Ein Teil des Geldes geht an die Schweizerische Stiftung für Minenräumung FSD in Genf, die Minen in Afrika räumt. Der andere Teil des Geldes geht an den Appel de Genève: eine Organisation, die mit Rebellengruppen über ein Minenverbot verhandelt.
 
Armin Köhli an den Paralympics 2000 in Sydney