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| 14. Juni 2004 |
| Erfolgreiche Spendensammlung |
Die Tour d'Afrique ist vorbei. Pro von mir gefahrenem Kilometer wurde rund 1.10 Franken für die Schweizerische Stiftung für Minenräumung FSD und den Appel von Genf gespendet bei 11 750 gefahrenen Kilometern insgesamt also rund 13 500 Franken.
Herzlichen Dank!
Auch über nachträgliche Spenden freue ich mich sehr.
Interessierte melden sich bitte unter spenden@tourdarmin.ch

Das Postcheckkonto lautet:

30-226134-8
Verein Tour d'Armin
Velofahren gegen Landminen
3014 Bern
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| 16. Mai 2004 |
In 120 Tagen durch Afrika
Oder: Wie ich einmal mit dem Velo von Kairo nach Kapstadt fuhr. |
Die Tour d'Afrique 2004 ist vorbei. Der Sieger heisst Rob van der Geest, Zweiter wurde Will Bonne. Und ich bin stolzer Dritter! Meine offizielle Fahrzeit für die 11268 Rennkilometer betrug 426 Stunden und 15 Minuten. Das ergibt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 26,44 Stundenkilometern! Hinzu kommen noch die Überführungsetappen und die Konvoifahrten in und aus den Städten. Da mein Velocomputer ja schon im Sudan verloren ging, verlasse ich mich hier auf die Rechnung anderer: Insgesamt bin ich von Kairo nach Kapstadt an 99 Renntagen 11750 Kilometer gefahren. Rund 35 Tage lang fuhren wir auf steinigen, sandigen oder schlammigen Pisten, den Rest auf asphaltierten Strassen. Und es ging hoch und runter: Die gefahrenen Hoehenmeter duerften ueber 60 000 liegen.
Die Oberschenkel waren in den letzten zwei Wochen steinhart, der Kopf müde, und das Velo benötigt dringend einen umfassenden Service. Ich hatte 18 Platten, 5 Speichen mussten ersetzt werden, die zweite Kette und die zweite Kassette sind völlig abgefahren, und der vordere Stossdämpfer ist im Eimer. Den hinteren musste ich ja schon sehr früeh ersetzen. Der Steuersatz bewegt sich nur noch in Raster-Schritten, und der vordere Wechsler hat eine Reaktionszeit von etwa 10 Sekunden, da sich Kabel und Umhüllung aneinander reiben (Wir hatten sie in Kenia schon einmal ausgewechselt, da Sand und Dreck das Schalten verunmöglichten). 2 Paar Slicks und 2 Paar Stollenpneus sind vollständig abgefahren, die einen Slicks begannen sich bereits aufzulösen.
Grundsätzlich ging alles kaputt, was kaputt gehen konnte. Die Reisetasche ist aufgeschlitzt, der Alukoffer verliert seine verstärkten Ecken, und alles was drin war, wurde tausendmal durchgeschüttelt, hin- und hergeworfen, durchnässt und aufgeweicht. Der Sand drang überall ein. Bei den Prothesen beginnen sich die Füsse jetzt von hinten aufzulösen.
Die letzten Tage in Südafrika boten nochmal viel. Langweilige und öde Wüste, aber auch einen der schönsten Momente der Tour, als wir aus dem Morgennebel heraus plötzlich ins sonnige und grüne Tal des Olifant-Flusses kamen. Um der Autobahn auszuweichen, fuhren wir sogar noch einmal etwa 50 Kilometer Piste mitsamt spektakulärer Aussicht, steilen Anstiegen und noch etwas Wellblech. Schliesslich fuhren wir der Küste entlang nach Kapstadt. Um Verkehrsregeln brauchten wir uns ein letztes Mal nicht zu kümmern, denn die Polizei verschaffte uns quer durch Kapstadt freie Bahn.
Hier endet die glückliche Geschichte von Tourdarmin (Die Fotogalerie wird aber noch erweitert!). Ich werde jetzt noch zwei Wochen Ferien machen und komme am frühen Morgen des 31. Mai in die Schweiz zurück. Mein Dank gilt Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser; liebe Spenderin, lieber Spender. Und vor allem all jenen, die mich so wunderbar unterstüetzten. Bitte beachten Sie deshalb auch noch einmal die Sponsoren. |
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| 10. Mai 2004 |
| Genug gezögert! |
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Liebe Leserin, lieber Leser. Haben Sie eigentlich einmal die Seite Tour gegen Minen beachtet? Und haben Sie die neueste WOZ-Kolumne Achtung, Blindgänger gelesen? Eben! Ich wollte eigentlich während der ganzen Tour über den Stand der Spendensammlung berichten. Doch das war nicht möglich, ich kann nicht in Afrika das längste Velorennen fahren und gleichzeitig meine Schweizer Büroarbeit erledigen. So sehr ich mich auch über alle Spendenversprechen gefreut habe. Nun sind wir in Südafrika angekommmen. Und haben bereits 11000 Kilometer zurückgelegt. Jetzt ist sozusagen die vorletzte Chance, für die Tour gegen Minen zu spenden. Spenden Sie für jeden Kilometer, den ich gefahren bin und noch fahren werde, einen frei gewählten Betrag. Spenden Sie zum Beispiel einen Rappen pro Kilometer, so wird Sie das am Ende etwa 120 Franken kosten. Und ich freue mich auch über halbe Rappen. Im Moment dürfte ich pro Kilometer etwa einen Franken «einfahren». Wäre schön, wenn es für die letzten paar hundert Kilometer noch etwas mehr werden. Dann fällt das Velofahren auch im Gegenwind etwas leichter. Danke! |
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| 10. Mai 2004 |
| Schinderei in Namibia |
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An sich war der Entscheid ja richtig: Wir fuhren in Namibia nicht wie ursprünglich geplant auf der Hauptstrasse Richtung Süden, sondern nahmen ungeteerte Pisten. Die paar hundert Kilometer auf der Hauptstrasse von Botswana her hatten gereicht - die namibischen AutofahrerInnen hatten zuhauf versucht, uns von der Strasse zu hupen; und sie fahren allesamt ein halsbrecherisches Tempo. Bloss: Der letzte (?) Ausflug auf einsame Pisten war dermassen schlecht geplant, dass es in blossem Kilometer-Abspulen endete. Drei meiner sechs längsten Tour-Tage fuhr ich in Namibia. Das wäre wirklich nicht nötig gewesen. Diese Etappen waren im Grenzbereich zur Gesundheitsgefährdung. Die fünf Tage bis zum Ruhetag ab Windhoek in Zahlen: Sechseinhalb Stunden (145 Km), siebeneinhalb Stunden (175 Km), fünfeinhalb Stunden (145 Km), sechseinhalb Stunden (175 Km), siebeneinhalb Stunden (172 Km). Diese Distanzen als Rennen zu fahren, das war praktisch undenkbar. Vielleicht mal eine halbe Etappe, wenn man gute Beine hatte, aber sonst ging es nur darum, anzukommen. Wahrlich keine Freude. Und auch die eigentlich oft sehr schöne Landschaft konnte ich vielleicht eine Stunde pro Tag geniessen. Ansonsten ärgerte ich mich, und mühte mich ab. Die meisten, auch ich, sind doch recht geschafft und entsprechend reizbar. Aber ich habe auch die namibische Schinderei hinter mich gebracht. Wir übernachteten in Orten mit den klingenden Namen Klein Aub (respektive kurz davor), Maltahöhe, Helmeringhausen und Seeheim. Deutsch ist in diesen Nestern die wichtigste Sprache; und oft glaubt man sich fünfzig Jahre zeitversetzt. Unterdessen haben wir Südafrika erreicht! Und die ersten Schilder weisen uns den Weg nach Kapstadt. Im Gesamtklassement hat sich nichts geändert: Rob, der die Tour gewinnen wird, vor Will, vor mir. Dann folgen Arthur und Martin. |
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| 04. Mai 2004 |
| Flach und auf und ab |
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In Botswana änderte sich wenig: flach, lange Etappen, nichts zu sehen. Von Ghanzi an die Grenze zu Nambibia fuhren wir sogar eine 200-Kilometer-Etappe. Allerdings wurde die Zeit aus nicht ganz einsichtigen Gründen schon nach 180 Kilometern genommen, und die letzten 25 Kilometer waren nur noch ausfahren. Ich fuhr diese Tage mit Will oder ganz alleine, das ging relativ einfach, denn der Wind war meist freundlich und wehte von der Seite oder von hinten. So fuhr ich auch die 180 Kilometer alleine, mit über 34 Stundenkilometer im Schnitt. Allerdings habe ich wieder einmal Sitzprobleme, wohl weil sich die Sitzposition wegen der langen, flachen und geraden Strecken nie ändert. Die ersten beiden Tage in Namibia fühlte ich mich völlig ausgebrannt, obwohl wir jeweils nur gut 100 Kilometer fuhren. Woran das lag? Die Sitzprobleme; die langen, langweiligen Strecken in Botswana, wo wir nur noch Kilometer abspulten das schlug ziemlich aufs Gemüt. Und schliesslich hatte ich mich von den langen Etappen einfach nicht genug erholen können. Ich kämpfte mich über die 100 Kilometer, am zweiten Tag nahm mich zum Glück Will in seinem Windschatten mit, ich führte am ganzen Tag vielleicht 5 Minuten. Ich dachte: Das wars wohl. Jetzt musst du einfach schauen, dass du irgendwie, ganz langsam, nach Windhoek und dann nach Kapstadt kommst. Schon seit langer Zeit hatte ich mir eigentlich vorgenommen, die Etappe nach Windhoek zu gewinnen. Jetzt war mir gar nicht mehr danach. Dennoch startete ich wie jeden Tag mit den paar Rennfahrern. Und ging das Tempo erstmal mit. In einer der ersten Steigungen jawohl, in Namibia geht es wieder kräftig auf und ab, und die Landschaft ist grossartig konnte ich sogar noch forcieren, so dass wieder einmal nur noch Rob, Will und ich übrig blieben. Will verabschiedete sich nach kurzer Zeit. Und ich wollte einfach mal eine Weile bei Rob bleiben, mir selber zeigen, dass ich noch Velo fahren kann. Ich verbiss mich in sein Hinterrad. Die Etappe war kurz, nur 55 Kilometer mit Zeitmessung, und das Ziel kam nah und näher. Schliesslich kamen wir zusammen an, ich hatte auch einen kleinen Teil der Führungsarbeit übernommen die 87. Etappe gewonnen! Und wieder etwas Selbstvertrauen dazu. Aber den Ruhetag in Windhoek brauche ich jetzt unbedingt. Die «Versorgungslage» ist deutlich besser; an zwei von drei Tagen übernachten wir auf einem Campingplatz mit Dusche. Ich konnte sogar wieder etwas zunehmen und habe darum auch wieder ein wenig Reserven. Und muss nicht mehr befürchten, dass der Körper auf diesen langen Strecken mangels Alternativen von den Muskeln zehrt. Wir streiften in diesen Tagen die Kalahari-Wüste, die hier allerdings mehr Steppe als Wüste ist, sehr grün, aber auch sehr trocken. Sofort änderte sich das Klima: Die Nächte sind wieder kalt der Winter hat begonnen! |
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| 26. April 2004 |
| Lang und flach |
Der Flug über die Victoria-Fälle hätte nicht schöner sein können! Ich sass auf dem vorderen Sitz eines feuerwehrroten Doppeldeckers ohne Kabine, auf dem zweiten Sitz hinter mir der Pilot. Schon beim holperigen Anrollen auf der Piste bläst einem der Wind um die Ohren, und mit keinen 200 Stundenkilometern hebt das Flugzeug ab. Schneller wird es auch in der Luft nicht - man gondelt in niedriger Höhe mit 100 bis 150 über den Sambesi, die Fälle und den Busch. Ohne Helm, aber mit dicker Brille gegen den Wind und mit Ohrenschützern. Am Fluss Elefanten, eine Giraffe und ein Nashorn. Und über den breiten Fällen, von denen soviel Wasser stürzt, dass man nicht nach unten sieht, ein samtiger Regenbogen. Nach 20 Minuten und einigen dramatischen Kurven landet man wieder sanft in Livingstone.
Doch zurück aufs Velo. Die nächste Etappe war kurz, sie führte uns nur die knapp 70 Kilometer bis zur Fähre über den Sambesi nach Botswana. Zu viert lieferten wir uns ein Rennen, einer nach dem anderen griff an, bis sich schliesslich 10 Kilometer vor Schluss Rob und Arthur leicht absetzen konnten. Will und ich gaben alles, aber wir konnten die Lücke von 200 Metern nicht mehr schliessen.
Die bisherigen Tage in Botswana waren lang, flach und langweilig. Wir spulten unsere Kilometer ab, meist zu viert, oder zu fünft mit Scott, der seine lange Krise überwunden hat. In horrendem Tempo, so dass meist zwei von uns zurückfielen. Nur Rob war immer vorne. Die Zahlen: 151 Kilometer, Durchschnittsgeschwindigkeit 32.9 bei seitlichem Gegenwind, 154 Km mit 35.6 bei Seitenwind, 170 Km mit 35.6 mit seitlichem Rückenwind, 142 Km mit 37,9 mit seitlichem Rückenwind. Zu sehen war nichts. Nur Busch, einige riesige Felder und alle hundert Kilometer ein Dörfchen. Botswana scheint menschenleer, selbst an der Strasse, die in Tansansia, Malawi, Sambia so belebt war von FussgängerInnen und VelofahrerInnen, passiert gar nichts. Andere FahrerInnen hatten Glück und sahen wenigstens Elefanten - wir spähten wohl zu wenig nach links und rechts.
Um der nachmittäglichen Hitze in den Busch-Camps zu entfliehen fahre ich manchmal per Autostopp zurück zum nächsten Dorf oder wenigstens zur nächsten Tankstelle; immerhin jeweils 50, 60 Kilometer weit. Dort gibt's dann Schatten, kalte Getränke, sogar Glace, und andere Gesichter. Mitgenommen zu werden ist überhaupt kein Problem - wenn denn einmal ein Auto kommt. Zweimal schon fuhr ich in einem 50-Tönner mit, der den weiten Weg aus Lubumbashi im Kongo kam. In einem Auto sah ich schliesslich doch noch einen Elefanten aus der Nähe. |
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| 19. April 2004 |
| Die 74. Etappe gewonnen
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Als es am Morgen in Lusaka losging, war mir noch nicht recht ums Velofahren. Stadtverkehr, Regen, und mässige Laune. Ausserdem standen drei überaus lange Etappen auf dem Programm: 157, 173 und 160 Kilometer. Wir fuhren in der Gruppe quer durch Lusaka, und das Rennen war noch neutralisiert. Ich glaubte, schlechte Beine zu haben, doch langsam kehrte wenigstens die Laune zurück. Nach Kilometer 16 erfolgte der eigentlich Start, und wir fuhren in einer grossen Gruppe stetig schneller. Und schneller. Und schneller. Bis nur noch 7 Leute übrig waren: 6 Holländer und ich. Doch auch der Holländer wurden immer weniger, schliesslich verblieben nur noch Rob und ich. Die Strecke wurde immer welliger, Rob fuhr immer schneller, doch ich koilte so richtig und liess sein Hinterrad nicht mehr los. So teilten wir uns den Etappensieg.
Ichstaune über meine derzeitige Form. Hätte mir nicht zugetraut, am 74. Renntag 146 Kilometer mit einem 35er-Schnitt zu koilen, immer wieder voll zu gehen. Und die nächsten beiden langen Tage ebenfalls: Ich konnte 90, 100 Kilometer mit Rob und Will bei hohem Tempo mitgehen, immer wieder mit vollem Tempo in die nächste Welle, und danach alleine die noch verbleibenden 60, 70 Kilometer - schnell - zu fahren. Klar, von frisch und spritzig kann keine Rede mehr sein, doch Ausdauer und Tempofestigkeit sind da wie kaum je zuvor.
Christian und Tim, die nur von Lilongwe bis Livingstone mitfuhren, sowie einige sambische Rennfahrer, die die Etappen ab Lusaka fuhren, brachten vorübergehend einen anderen Rhythmus in unsere eingespielte Gruppe. Der dritte Tag war wieder einmal ein idealer Velotag: Strahlend blauer Himmel, auf den ersten 80 Kilometern eine perfekt gebaute Asphaltstrasse, und in den Morgenstunden noch nicht zu heiss. Der Autoverkehr beschränkt sich weiterhin auf ein paar Fahrzeuge pro Stunde. Weil ich so lange mit Rob und Will fuhr, konnte ich es dennoch nicht uneingeschränkt geniessen. Ziel war Livingstone, die Stadt auf der sambischen Seite der Victoria-Fälle des Sambesi.. Schon kilometerweit vor Livingstone waren die Dampfwolken über den Fällen zu sehen. Heute nachmittag werde ich sie mir anschauen. Von oben: Ich leiste mir einen kurzen Flug in einem uralten Doppeldecker über die Fälle. |
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| 15. April 2004 |
| Nach 8000 Kilometern in Lusaka |
Malawi liegt hinter uns, wir sind bereits in der sambischen Hauptstadt Lusaka. Wir befinden uns immer noch auf einem hügeligen Hochplateau, etwa 1100 bis 1400 Meter über Meer. Sambia ist ein ideales, aber anspruchvolles Veloland. Die Landschaft ist sehr schön, doch oft kaum zu sehen, weil das menschhohe Buschgras nicht geschnitten wird. Auch die sambischen Maisfelder verschwinden hinter dem Busch. Die Strassen sind in der Regel gut, nur in Grenznähe haben sie Schlaglöcher, es gibt praktisch kein motorisierter Verkehr. Das Wetter ist wieder sonnig, aber in diesen Tagen nicht zu heiss.
Aber Sambia ist eben auch anspruchsvoll: immer hoch und runter, hoch und runter. Wie wir es seit Äthiopien fast nicht anders erlebt haben. Kommt dazu, dass wir ausgesprochen lange Distanzen fahren. Angekündigt waren recht flache Etappen - wir wurden also überrascht. Die ersten vier Etappen ab Lilongwe in Zahlen: 144 Kilometer (500 Höhenmeter), 147 Kilometer (850 Höhenmeter), 195 Kilometer (1500 Höhenmeter), 123 Kilometer (1700 Höhenmeter). Die 195-Kilometer-Etappe - die bisher längste der ganzen Tour - war so nicht geplant und wurde vom Tour-Verantwortlichen kurzfristig angesetzt und mit 180 Kilometern angekündigt. Ich weiss, dass und wie ich eine solche Distanz fahren kann, aber mit dem, was ich schon in den Beinen habe, war mir schon etwas gschmuch. Ich fuhr den ganzen Tag mit Martin, ruhig und gleichmässig. Die Fahrzeit lag schliesslich bei knapp sieben Stunden. Wir wurden mit einem schönen Campingplatz an der Biegung eines Flusses belohnt, tief unten auf noch etwa 500 Metern. Auf der anderen Flusseite liegt bereits Moçambique. Die abendliche Stimmung im Tal war wunderschön, der Sonnenaufgang über dem Fluss ebenso. Ich mietete ein "Chalet": Eine Hütte mit dickem Strohdach und niedrigen Wänden, die eigentlich kaum Wände, sondern vorab Moskitonetze sind. So sorgte eine leichte Brise für Abkühlung in der feuchten Hitze. Und drinnen ein gutes Bett, draussen ein gemauertes Häuschen mit WC und mit Holz befeürter Warmwasserdusche.
Andere fuhren die 195 Kilometer schneller als ich, darum wollte ich es am nächsten Tag mal wieder probieren. Ich dachte, sie hätten noch schwerere Beine als ich. Bart, Rob und ich begannen in einem höllischen Tempo, zurück auf das Hochplateau zu klettern. Doch die Strecke war zu wellig für mich, kurzen Anstiegen folgten immer wieder kurze Abfahrten und neue Rampen, und mir fehlt die Kraft, solche Rampen hochzuwuchten. So verlor ich bald den Kontakt und fuhr alleine. Bei Kilometer 90 überholte mich auch noch Will, dennoch konnte ich die Etappe regelmässig und schnell zu Ende fahren. Immerhin, nach dem Vortag! |
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| 09. April 2004 |
| Regenwetter |
Das malawische Wetterspektakel setzte sich noch tagelang fort. Der beinahe volle Mond ging über dem See auf, dahinter blitzte es am ganzen Horizont. Schliesslich erreichte der Gewittersturm auch Chitimba. Am Morgen dann der Sonnenaufgang - über dem See. Und alles ist so grün in Malawi. Stundenlang sieht man keine andere Farbe, dafür grün in tausend Tönen.
Allerdings wurden wir immer von heftigem Regen begleitet. Kaum konnten wir unsere Sachen trocknen, begann der nächste Regen. Sämtliche Taschen auf dem Lastwagendach wurden wieder und wieder völlig durchnässt. Was kaputt gehen kann, geht bei dieser Tour auch kaputt. Mein Gepäck wird auf dem Rückflug wesentlich leichter sein als auf dem Hinflug. Der Regen war immerhin so freundlich, jeweils zum Zelt auf- und abbaün auszusetzen.
Wir verliessen den Malawisee schon wieder und kletterten rund 600 Meter höher, eine steile Strasse hoch, mit toller Aussicht auf den See. Danach folgte eine kleine Abfahrt, und dann ging es wieder hoch, einem Flüsschen entlang. Das zuerst ganz schmale Tal öffnete sich langsam, und schliesslich erreichten wir ein überaus hügeliges Hochplateau, auf dem wir uns hier in der Hauptstadt Lilongwe immer noch befinden. Die Hauptstrasse ist bestens ausgebaut, doch im Norden war sie noch ohne motorisierten Verkehr. Während achtzig Kilometern überholten uns genau zwei Autos. Erst kurz vor der Stadt Mzuzu nahm der Verkehr zu.
Das ständige Hoch und Runter ging gehörig in die Beine, und eine Etappe brachte uns die drittmeisten Höhenmeter der ganzen Tour! Und da waren wir schon oben, auf dem Hochplateau. Das hat uns doch sehr überrascht.
Es wird schwieriger, sich für das tägliche Rennen zu motivieren. Die Abstände im Gesamtklassement sind riesig, die Positionen klar, und wir fahren seit Wochen tägliche Rennen gegen die gleichen paar FahrerInnen. Wir kennen unseren Fahrstil und unsere Stärken und Schwächen bis ins Detail. So heisst es in der Regel, zu entscheiden, wie lange man mit wem zusammen fährt. Braucht es mehr Energie, das Tempo von Rob zu halten, als alleine zu fahren, oder profitiert man noch vom Windschatten und den Ablösungen? Ich fahre wie immer auf Asphalt meistens mit Will, ausser er hat ausgesprochen gute Beine und bleibt die ganze Etappe bei Rob. Für mich ist Rob zu schnell, denn die Etappen dauern meist rund fünf Stunden, und nach 90, 100 Kilometern fehlt mir in den kurzen Anstiegen die Kraft, mitzugehen. Dennoch gibt es Tage, da wollen es plötzlich wieder sieben, acht Leute wissen, und wir fahren wie die Berserker.
Zum ersten Mal wurde eine Rangliste bekannt gegeben, die die Streichresultate berücksichtigt. Rob liegt gut 7 Stunden vor Will. Mein Rückstand beträgt etwa 13,5 Stunden, und der viertplatzierte Arthur liegt etwa 28,5 Stunden zurück. Fünfter ist Martin mit etwa 40 Stunden Rückstand. |
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| 05. April 2004 |
| Spektakel am Malawisee |
Jetzt weiss ich, wovor wir geflüchtet sind: Regen in Tansania! Die ersten beiden Etappen nach Iringa konnten wir noch richtig geniessen. Wunderbar ausgebaute Teerstrassen, wenig Verkehr, viel Rückenwind, und viele Hügel. Pro Tag und rund hundert Kilometer kletterten wir immer auch etwa 1000 Höhenmeter. Wir bewegten uns immer zwischen etwa 1300 und etwas über 2000 Metern über Meer. Und alles war immer noch so grün. Doch dann kamen die beiden Regentage. Es schüttete und schüttete, und wir bekamen eine kleine Vorstellung, wie das wohl auf den Pisten gewesen wäre. Am ersten Tag stoppten wir früher, in einem netten kleinen Hotel, wo die meisten ein trockenes Zimmer bekamen. Der Gedanke, tagelang im Regen zu fahren, das Zelt im Regen auf- und abzubauen, die Kleider im Regen zu wechseln und nie mehr richtig trocken zu werden, ist schon beängstigend. Doch eben da gibt es ja glückliche Zufälle und nette Hotels wie das Stockholm Hotel am Stadtrand von Mbeya.
Der nächste Tag begann mit einem Anstieg auf über 2300 Meter über Meer, und dann eine lange, lange Abfahrt mit kurzen Gegensteigungen bis nach Malawi auf noch etwa 650 Meter über Meer. Die Fahrt war trotz Regen eine der schönsten bisher. Durch verschiedene Nebelschichten, und manchmal drückte die kräftige Sonne etwas durch, dann wieder in heftigen Regen, tausend Nadelstiche pro Sekunde im Gesicht bei Tempo sechzig, entlang von Tee- und Bananenplantagen, und über hundert Hügel hinweg. Malawi empfing uns dann mit etwas Sonnenschein. Ich beendete alle vier Etappen auf dem dritten Platz, zweimal gemeinsam mit Will hinter Rob und Bart, und zweimal hinter Rob und Will.
Die Grenze war ein kleiner Schock. Auf tansanischer Seite war das Städtchen geschäftig und belebt, doch in Malawi war Stille. Und die feuchte Hitze. Malawi ist auf den ersten Blick ärmer als Tansania. Die wenigen Waren werden wieder am Strassenrand angeboten, die Kinder tragen keine Schuhe mehr und betteln, die an sich gut ausgebaute Strasse hat wieder Schlaglöcher. Und es gibt so wenig Autoverkehr wie auf einer entlegenen tansanischen Piste. Dafür ist die Landschaft fantastisch: Eine langezogene Ebene, in der der riesige Malawi-See beginnt, und dann zuerst auf der östlichen, später auf beiden Seiten steil in den See hinein abfallende Berge wie am Vierwaldstädtersee.
Und jetzt stellen Sie sich vor, es ist Samstag Morgen, 11.30 Uhr, und Sie sind mit dem Velo schon zweimal um den Zürichsee gefahren. Bei heftigem Gegenwind. Zwar nicht ganz zweimal, bei der zweiten Runde wurden Sie, nach 120 Kilometern, zum Glück vorzeitig irgendwo zwischen Meilen und Zollikon gestoppt. Vom Eisengestell mit dem verheissungsvollen Blechpfeil, der uns immer die Campingplätze anzeigt. Etwa so verbrachten wir diesen Samstag Morgen, nur dass wir dem Malawisee entlang fuhren, immer an der Westküste südwärts. Der Campingplatz in Chitimba bietet Duschen, eine Bar und sogar einige Zimmer. Und einen wunderbaren Sandstrand. Der Malawisee ist wahrlich spektakulär, ein toller Ort zum Verweilen und in den Himmel schauen. Irgendwo regnet es fast immer, man sieht eine Regenwand, nicht weit davon strahlend blauer Himmel und ein Regenbogen, dann eine Wolkenwand, die über einen Berg hinabfällt, stürmischer Wind, und wieder blauer Himmel. Und das alles gleichzeitig. In Chitimba verbrachten wir auch einen wirklich erholsamen Ruhetag. |
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| 29. März 2004 |
| Ein Berg für die Moral |
Das waren für einige Wochen die letzten drei Tage Piste. Ab Iringa sind die Strassen wieder asphaltiert. Wir haben die tansanischen Pisten ohne Regen gut hinter uns gebracht. Doch sieben Tage Velo fahren ohne Ruhetag spürt man in Kopf und Beinen. Da hat jedeR mal einen schlechten Tag. Bei mir wars der vorletzte, zum Glück. So konnte ich mich am letzten zusammenraufen und wieder einmal richtig schnell fahren. C'est bon pour la morale! Die Etappe begann auch noch mit einem richtig schönen Berg, und so hats wieder Spass gemacht.
Wir haben jetzt deutlich über 6000 Kilometer zurück gelegt, und auch unsere Velos scheinen das langsam zu spüren. Die Nachmittage in unseren Bush Camps gleichen Veloflickwerkstätten. Fast jedeR hat täglich mindestens einen Platten. Meine beiden Paar Stollenpneus sind schon völlig abgefahren. Und sobald man die Piste Richtung Camp verlässt, wimmelt es von Dornen. Selbst wenn man das Velo schiebt, holt man sich einen Platten. Nur tragen hilft.
Mir ist eine weitere Speiche gebrochen. Genauer gesagt, und wie schon beim ersten Mal, der Speichen-Nippel. Ersatzspeichen habe ich ja einige mit dabei, aber Nippel? Die gibt es auch noch in verschiedenen Grössen. Bisher konnten mir andere Fahrer aushelfen. Und ich hoffe, dass die Nippel ab jetzt halten, denn die Belastung auf Asphaltstrassen ist ja nicht so gross. Aber die leichten Alu-Nippel an den speziell für Rocky Mountain produzierten, ansonsten ausgezeichneten Felgen scheinen solchen Belastungen über längere Zeit nicht gewachsen zu sein.
Pete hat auch meinen vorderen Stossdämpfer genauer untersucht. Wenn ich den Luftdruck erhöhe, presst das Öl aus dem rechten Teil des Dämpfers. Der linke funktioniert weiterhin tadellos. Pete versucht nun, den rechten vollständig von Luft zu entleeren, gefedert würde dann nur noch vom linken. Aber das Öl bliebe drin. Ich hoffe, das klappt. |
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| 25. März 2004 |
| Flucht vor dem Regen. Und die 56. an Will und mich. |
Nach Arusha kam eine richtig angenehme, schöne Etappe mit viel Rückenwind. Kurze 110 Kilometer in kaum drei Stunden, und dann ein schönes Camp mit Dusche, Bar und Seeblick. Es sollte das letzte sein für einige Tage: Wir erreichen wieder Afrika ohne fliessendes Wasser. Denn schon nach dem Lakeview-Camp ist die Asphaltstrasse zu Ende. Die Piste ist vergleichbar mit einer Schweizer Waldstrasse, manchmal auch mit einer Gebirgswaldstrasse. Zusätzlich bietet sie noch ein wenig von allem: Wellblech, Sand, Steine, Lehm. Wir fahren schneller als geplant, nach Dodoma schon in drei statt in vier Tagen, um danach drei Tage für die Weiterfahrt nach Iringa zur Verfügung zu haben. Denn zwischen Dodoma und Iringa wurden überlange Etappen eingeplant, die wohl nur schwer zu fahren wären. Doch das Hauptmotiv für die verlängerten Etappen ist Flucht: Flucht vor dem drohenden und auch immer wieder kurzzeitig einsetzenden Regen. Bei Regen wäre die Piste kaum befahrbar. So hatten wir dreimal rund 110 Kilometer Piste - kein richtiges Rennen also, dafür sind die Strecken zu lang. JedeR schaut, dass er/sie mit möglichst geringem Aufwand möglichst schnell ankommt. Bei mir hat das zwei Tage lang ganz gut geklappt. Ich kam jeweils kurz nach ein Uhr ins Ziel. Am dritten Tag klappte es noch besser: Rob hatte Defekt, und die 56. Etappe ging an Will und mich, eine knappe Minute vor Erik.
Das Velo gibt zu tun: Eine gebrochene Speiche, mal wieder Reifenwechsel, dazu die Platten Nummer sieben, acht, neun und zehn. Ausserdem beginnt jetzt die Gabelfederung zu lecken. Doch sie hat einen so langen Federweg, dass ich sie auch mit etwas weniger Öl benützen kann. Wenn sie nur nicht noch mehr Öl verliert! Und ganz ehrlich: ohne Pete und Randy, die beiden Mechaniker, wäre ich nicht bis hierher gekommen!
Die langen Etappen führen uns durch fantastische Landschaften, die schönsten bisher. Alles ist grün, überall wird das Land bebaut. Wir fahren durch eine ländliche, hügelige Gegend, mit höheren Bergen am Horizont, deren Gipfel wegen der Wolken nie zu sehen sind. Auch das Wetter bietet alles: Nachts etwas Regen, tagsüber Sonne und bedrohliche Wolken, aber auch dichten Nebel. Bei Sonnenuntergang leuchtet der Himmel in allen Farben. Sümpfe wechseln sich mit ausgetrockneten Flussbetten ab, aus deren letzten Wasserlöcher Frauen in ihre Behälter schöpfen. Dann folgt wieder überaus grüne Savanne.
Vorgestern überraschte mich Will. Auch er sammelt Geld mit seiner Tour-Teilnahme, um medizinische Apparate an Spitäler in Tansania zu spenden, und für ein Strassenkinderprojekt in Tansania. Die Spitalausrüstung wird aber vollumfänglich von Phillips bezahlt, und so wollte Will alles Geld dem anderen Projekt zu Gute kommen lassen. Doch die Leiterin hinterliess mit ihrem Projekt nicht den gewünschten Eindruck, und so will Will die Hälfte seines gesammelten Geldes meinem Konto «Tour gegen Minen» spenden. 900 Euro zusätzlich also für die Stiftung für Minenräumung FSD und den Appel de Geneve. Und ein gerühter Armin! |
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| 22. März 2004 |
| Erholung |
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Die zwei Tage von Nairobi nach Arusha waren anstrengender als erwartet. Hatte mich wohl wegen des ganzen Trubels in Nairobi nicht genügend erholt, und das rächt sich schnell. Auch zum Startschuss in Nairobi morgens um 7 (!) sind der Schweizer Botschafter und der Vize-Aussenminister erschienen, um uns auf den Weg zu schicken. Und am Ruhetag selber habe ich noch eine Prothesenwerkstatt besichtigt. So habe ich mich in den zwei Etappen über insgesamt 290 Kilometer regelrecht nach Arusha gequält, trotz der formidablen grünen Landschaft. Hier kann ich mich nun richtig erholen, am Fusse des Kilimanjaro, in einem kleinen Paradies. Ich wurde nämlich von der Dik Dik Familie (www.dikdik.ch) eingeladen, die beiden Ruhetage bei ihnen zu verbringen, und werde hier richtig verwöhnt. Das tut gut! |
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| 17. März 2004 |
| Halbzeit! Und die fünfzigste Etappe gewonnen. |
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Verrückte Sache, das! Jetzt bin ich in Nairobi und habe exakt die Hälfte der Tour dAfrique hinter mir. 50 Etappen sind gefahren, 50 werden noch kommen. Die gefahrene Distanz lässt sich an der Karte ermessen: Jetzt kommt der zweite Teil der grossen Michelin-Afrika-Karte dran. Nordafrika/Arabien kann ich zur Seite legen. Vor zwei Tagen haben wir auch den Äquator passiert ab sofort befinden wir uns im Spätsommer und fahren in den Herbst hinein. Zwei Monate sind wir schon unterwegs, und zwei Monate werden noch kommen. Nach Isiolo vergingen die Tage schneller. Die Strassen sind recht gut ausgebaut, und zum Anfang gab es wieder einmal einen richtig schönen Pass an der Seite des Mount Kenia. Wir kletterten noch einmal auf über 2500 Meter, und das hat richtig Spass gemacht. Danach das bekannte: Hoch und runter, hoch und runter, wobei wir stetig an Höhe verloren. Nur waren die Rahmenbedingung viel besser. Wir campten jeden Tag in schönen Anlagen, alle sehr grün, und alle mit Dusche. Welch Luxus für uns, ein Rennen fahren, und danach duschen können! Solche Annehmlichkeiten verkürzen die Erholungszeit. Auch das Warenangebot ist seit Isiolo recht westlich, und ich ass meine erste Pizza seit ja, seit wann eigentlich? Kann mich nicht einmal daran erinnern, wird irgendwo in Ägypten gewesen sein. Und dann kam die famose fünfzigste Etappe. Wir mussten nach Nairobi, das heisst, das Ziel war vor dem Stadtrand, um dann wie immer bei grossen Städten gemeinsam hinein zu fahren. Gut 50 Kilometer kurz war sie angekündigt, und wir mussten sicher 600 Meter steigen. Wir fuhren zügig los. Ich hatte eigentlich keine Absichten, freute mich einfach schon riesig über Halbzeit. Doch im ersten längeren Anstieg glaubte ich zu spüren, dass Rob nicht so tolle Beine hatte. Ich forcierte das Tempo, einfach um zu sehen, ob er dranbleibt. Bart konterte, und wir folgten ihm. Schliesslich konterte ich noch einmal, voll am Limit jetzt, und schliesslich waren Bart und ich alleine. Wir zogen es durch. Fuhren die verbleibenden 35 Kilometer voll, hinter uns Rob und Will, die genauso koilten, um die Lücke zu schliessen. Sie schafften es nicht, und wir brachten 2 Minuten Vorsprung ins Ziel. Dann fuhren wir im Konvoi in eine Hotelanlage am Stadtrand. Dort hatten die kenianische Kampagne gegen Landminen, das kenianische Aussenministerium und die Schweizer Botschaft einen Empfang und eine Medienkonferenz organisiert, so zusagen zu meinen Ehren. Doch die grösste Überraschung sass am Hoteleingang und filmte, wie wir ankamen Manuela hat sich zu einem spontanen Besuch in Nairobi entschlossen. Sie bleibt jetzt ein paar Tage bei uns, judihui! Dann war volles Programm. Interviews mit den grossen kenianischen Fernsehstationen, Ansprachen von den anwesenden Botschaftern, dem kenianischen Sportsminister und mir, Fototermine, Hände schütteln, Sektflaschen öffnen. In den Hauptnachrichten am Abend kam ein etwa fünfminütiger Beitrag über den Anlass, mit zwei Rednern: dem Sportsminister und mir («Even the Minister got just 10 seconds, the rest was all about you», erzählte mir ein unbekannter Kenianer in der Toilette eines Restaurants). Nairobi. Halbzeit. Auf dem Papier haben wir die schwierigsten Etappen hinter uns. «Wenn du es bis Nairobi schaffst, dann kannst du die ganze Tour schaffen», habe ich mir in der Schweiz gesagt. Auf gehts also, zu den nächsten fünfzig Etappen. |
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| 15. März 2004 |
| Der erste Regentag |
Wir sind zurück bei den Lebendigen! In Isiolo beginnt nämlich die Asphaltstrasse. Aber uns blieb wirklich nichts erspart. Nach Marsabit begann es zwar angenehm, nämlich mit einer 49 Kilometer langen Abfahrt. Am Strassenrand passierten wir einen zusammengestauchten Militärlastwagen, der am Vorabend mit einem Elephanten zusammengestossen war. Dann begann wieder das Wellblech, doch wenigstens war es nicht mehr so steinig. Doch am nächsten Tag regnete es, ganz ausserterminlich. Aus dem Sand wurde eine zähe, klebrige Masse, der die Fahrt noch viel langsamer machte. Bei halber Distanz begann die ausgebesserte Piste. Die wäre angenehm zu fahren - bei Trockenheit. Doch nass verwandelte sie sich in Lehm, und je länger es regnete, desto grösser und tiefer wurden die Pfützen. Das Rennen wurde zu einer Art Blindfahrt, denn es war unmöglich Tiefe und Beschaffenheit der Wasserlöcher vorauszusehen. Kam dazu, dass oft jene Spurrinne am schnellsten war, die sich in einen kleinen Bach verwandelt hatte. Irgendwie kam ich nach gut fünfeinhalb Stunden ins Ziel. Viele stiegen an diesem Tag in den Lastwagen. Man kann sich kaum vorstellen, welchen Dreck wir mit uns schleppten und wie schmutzig wir waren. Wenigstens hellte es am Nachmittag auf, und wir konnten die Zelte bei Sonnenschein aufstellen.
Hier in Isiolo haben wir übrigens Blick auf einen schneebedeckten Gipfel. Nein, noch nicht den Kilimandscharo, sondern den Mount Kenia.
Vor zwei Tagen gab es auch wieder einmal eine Rangliste.
Die sah ungefähr so aus:
1. Rob van der Geest
2. Willbert Bonne, 6 Stunden zurück
3. Armin Köhli, 10,5 Stunden zurück
4. Scott Miller, 26 Stunden zurück
5. Arthur Rijk, 29,5 Stunden zurück
6. Sanda Simon, 33 Stunden zurück
Aber wie gesagt: Die Streichresultate werden an den Rückständen noch einiges ändern.
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| 10. März 2004 |
| In der wüstesten Wüste |
Nordkenia übertraf die Befürchtungen. Die dritte Etappe war die bisher langsamste überhaupt. Ich hatte ein Durchschnittstempo von gerade mal 14.37 Stundenkilometer, das heisst, die reine Fahrzeit für die 85 Kilometer betrug fast sechs Stunden. Als Spitzengeschwindigkeit an diesem Tag erreichte ich ganze 27 Stundenkilometer.
Der erste Tag nach der Grenze war noch erträglich. Die Hitze und die Müdigkeit machten zu schaffen. Ich versuchte mich zu schonen und fuhr gemeinsam mit Martin relativ langsam. Wir fuhren in die Wüste hinein. Da war nichts mehr. Gar nichts. Alles flach, heiss und hässlich. Am zweiten Tag begann es gleich. Die Piste war in befahrbarem Zustand, und ich war müde. Doch bei Halbzeit änderte sich die Piste. Die Landschaft glich einer Geröllhalde, nur flach. Und auch die Piste glich während den letzten 30 Kilometern einer Geröllhalde. Wir erreichten das Ziel schon um zwölf Uhr mittags - und verbrachten den Nachmittag im Nichts. Schatten spendeten nur die beiden Lastwagen, und etwas Trost dreissig Grad warmes Bier. Die Stimmung war bei allen am Boden, auch bei mir. Wir fürchteten den nächsten Tag, obwohl danach ein Ruhetag folgte, denn da standen die 85 Kilometer auf dem Programm, und davon mindestens die Hälfte Geröllhalde, und zu alledem mussten wir auch noch etwa 700 Meter an Höhe gewinnen.
Doch über Nacht geschehen Wunder! Schon vor zwei Wochen beispielsweise war mein Rücken völlig verspannt, ich konnte kaum mehr liegen. Nachts träumte ich darum von einer Massage. Allein dieser Traum lockerte mich, und am Morgen ging es mir wesentlich besser und entspannter. Und so wachte ich auch in der Wüste auf: Fröhlich, motiviert, mit guten Beinen - zum ersten Mal seit vier Tagen. Ich begann das Rennen mit hohem Tempo und erarbeitet mir hinter Arthur einen grossen Vorsprung; die Vollfederung, die ich noch weicher eingestellt hatte, half mir über die Steinbrocken hinweg. Doch schon nach einer halben Stunde erwischte es mich halt: Platten. Ein Dorn. Der Schlauch war schnell gewechselt, doch schon ein Kilometer später kam der nächste Platten: ein Durchschlag. Ich hatte weder einen zweiten Schlauch noch Flickzeug bei mir; und zwei Ersatzschläuche, die mir von anderen Fahrerinnen gegeben wurden, hatten ebenfalls Löcher. So wartete ich auf Randy, der als letzter angefahren kam, denn Randy hat immer alles dabei und hilft bei jedem Defekt. 48 Minuten gingen schliesslich verloren, an einen Etappensieg war nicht mehr zu denken. Aber ich kämpfte mich tapfer und relativ fröhlich ins Ziel mein Rückstand auf den Etappensieger Scott betrug um die 50 Minuten...
In Marsabit folgte dann die seelische Erlösung. Marsabit ist eine hochgelegene Regenwaldoase in dieser hässlichsten Wüste; und all das Grün, die Bäume, Wiesen und der lebendige Wald befreiten von allem Frust. Wir campten am Eingang zum Nationalpark, und über unseren Zelten hüpften Affen von einem Baum zum anderen. Doch nachher geht es wieder runter. In die Wüste. |
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| 10. März 2004 |
| Zurück im Land der Kinderhände |
Und plötzlich ist wieder alles anders. Die Strasse wird schmaler und stetig schlechter, der Verkehr nimmt ab, nur noch einige Lastwagen und Minibusse sind unterwegs - und alles ist üppig grün, vielfältig, belebt. Kleine Plantagen, wucherndes Grün, Vögel, Tiere. Und Menschen. Kaum ein Kilometer Strasse ohne Menschen. Wir sind zurück im Land der Kinderhände. Zwar sind die Kinder immer noch unberechenbar, manchmal schmeissen sie Steine, aber viel seltener als in der Amhara-Region. Meistens sind sie einfach überdreht. In einigen Dörfern stehen beinahe alle BewohnerInnen am Strassenrand und rufen und jubeln uns zu. Je weiter weg von Addis wir kommen, desto auffälliger sind wir. Wo wir campen, sind wir ein Ereignis. Mehr als hundert ÄthiopierInnen - vor allem Kinder, aber auch Jugendliche und Erwachsene - stehen um uns herum und schauen uns einfach zu. Stundenlang. Das geht einigen von uns an die Nerven. Die meisten werden froh sein, wenn wir Äthiopien wieder verlassen. Aber man stelle sich vor: 40 ÄthiopierInnen, die kein Wort deutsch sprechen, mit dreissig Velos und Zelten, zwei Lastwagen und einer mobilen Küche machten im Zürcher Oberland Halt, breiteten sich auf einer Weide aus und markierten ihren eigenen Campingplatz.
Kommunikationsprobleme liessen uns am zweiten Tag weiter fahren, als im Programm vorgesehen (und wieder einmal weiter, als am Vorabend angekündigt); so verpassten wir den eigentlich geplanten Campingplatz: eine soeben eröffnete Lodge mitten im Busch, mit fantastischer Aussicht. Die weniger Müden unter uns - respektive jene, die früh genug angekommen sind - fuhren deshalb im Minibus 35 Kilometer zurück, um dort wenigstens ein paar Bier zu trinken und Abend zu essen. Und welch Überraschung: Das Besitzerehepaar hatte ein üppiges italienisches Abendessen vorbereitet, mit Salaten, Lasagne, Braten, und einem nahrhaften und wunderbaren Tiramisu. Wir schwelgten und genossen die Aussicht, beobachteten Vögel und Hyänen, lauschten der lärmigen Ruhe im Busch. Zur Lodge gehören einige geräumige Bungalows aus Bambus, schön eingerichtet mit Bambusmöbeln. Bei meinem nächsten Äthiopienaufenthalt werde ich sicher ein paar Tage hier verbringen: Ein wunderbarer Ort zum Ausruhen, ohne Verbindung zum Rest der Welt. Denn abgelegen ist die Lodge wahrlich - 360 Kilometer südlich von Addis Abeba, und weitab der Hauptstrasse.
Die ersten beiden Renntage nach Addis verliefen recht gemütlich, denn wir fuhren vor allem herunter. Doch nachher war wie vorher: Jede Etappe ein Rennen. Und es geht hoch und runter, hoch und runter. Wie ständig in Äthiopien, doch wenigstens ist die Strasse asphaltiert. Wobei das Rennen meistens gleich verläuft. Dirasse hat uns in Addis Abeba verlassen, weil die Rennserie für die äthiopische Strassenmeisterschaft begonnen hat. Nun lassen uns Rob und Addis leiden, und Will und ich leiden am längsten und fahren nachher gemeinsam - oder Will vor mir - in hohem Tempo ins Ziel. So kommen wir immer etwa eine Viertelstunde nach Rob und Addis an, mit deutlicherem Abstand gegen hinten. Die Rangliste ist unterdessen eingespielt, und es gibt - zumindest auf Asphalt - nur noch wenig Überraschungen. Das heisst nicht, dass die Etappen leicht wären. So campten wir nach drei Tagen wieder auf der Höhe von Addis Abeba, auf etwa 2350 Metern; und die Etappe führte bis auf 2570 Meter über Meer - gestartet sind wir bei etwa 1600 Metern. Wieder einmal haben wir über 2000 Höhenmeter an einem Tag zurückgelegt, und dies auf 106 Kilometer. Die Strasse wird abschnittweise zunehmend schlechter, die Abfahrten werden wieder zu einem Schlagloch-Slalom, und obwohl die Strasse asphaltiert ist, fahre ich oft mit entriegeltem hinterem Stossdämpfer. Die Strasse scheint endlos, und dennoch ändert sich die Landschaft laufend. Savanne, Busch; Seen; dann rote Erde; lichte Wälder, wie sie auf einer griechischen Insel sein könnten, dann wieder Savanne, doch nun mit Termitenhügeln; und weniger Menschen säumen die Strassen. Vor allem Frauen, die riesige Wasserkanister und Amphoren schleppen. Jetzt haben wir auch die Insekten-Zone erreicht. Bei längeren und steilen Anstiegen schwirrt immer ein Dutzend Fliegen ums Gesicht - sprichwörtlich lästig. Und es wird wieder heisser: während der letzten Tage deutlich über 30 Grad.
Die Stimmung bei den FahrerInnen ist sehr unterschiedlich. Nicht mehr viele beteiligen sich am Rennen, die meisten fahren einfach ihr Tempo. Wir sind alle müde, und viel passiert wieder einmal im Kopf. Ich und einige andere sind noch richtig motiviert, andere hingegen sprechen vor allem von Tansania und den Möglichkeiten dort: ein Unterbruch der Tour mit Ferien auf Sansibar, oder ein längerer Ausflug in die Serengeti. Len hat die Tour bereits unterbrochen und ist kurzerhand für drei Wochen nach Kanada zurück geflogen; und Christian, der bis Nairobi fahren wollte, hat uns schon in Addis verlassen. Hundert Renntage, oder auch einfach hundert Tage in Afrika auf dem Velo, sind halt wirklich sehr viel. |
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| 06. März 2004 (News per SMS) |
| In Kenia angekommen |
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Wir haben die Berge Äthiopiens hinter uns und sind heute müde in Kenia angekommen. Morgen geht's weiter in eine Wüste hinein, und es ist auch schon wieder höllisch heiss. Internet gibt es wohl erst in einer Woche wieder. |
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| 27. Februar 2004 |
| Die dreissigste Etappe gewonnen! |
Weg von Bahir Dar fuhr ich mit meinem eigenen Tempo los, doch bald merkte ich, dass mir keiner folgte. Rob war vorne, selbstverständlich, aber ich hatte ihn immer ihn Sichtweite. Nach kaum dreissig Kilometern habe ich ihn sogar überholt. Von nun an ging's schnell. Wenn man führt, legt man sich ins Zeug! Klar, Dirasse, der äthiopische Meister, war noch weiter vorne, aber er fährt - und siegt - ja ausser Konkurrenz. Oft dachte ich, jetzt habe ich Rob abgehängt, doch er kam immer wieder heran; er ist wirklich ein aussergewöhnlicher Rennfahrer. Die Strecke war brutal. 1400 Höhenmeter auf 90 Kilometer, doch die waren nicht einmal so schlimm. Die Abfahrten gingen in alle Knochen, die Hände waren taub, der Rücken schmerzte. So eine Strecke bin ich noch nie gefahren. Eine Abfahrt dauerte etwa dreiviertel Stunden, und ich hoffte ständig, dass endlich wieder eine Steigung kommt. Schliesslich kam ich anderthalb Minuten vor Rob ins Ziel - gewonnen!
Die Etappe am folgenden Tag war genauso schlimm. 2100 Höhenmeter, mehr als die Hälfte davon auf einer kaum zu befahrenden Strasse. Flach geradeaus liegt das Tempo in diesen Abschnitten bei etwa 13 Stundenkilometern. Siebeneinhalb Stunden brauchte ich - als Etappendritter - für die 108 Kilometer. Mehr als die Hälfte aller FahrerInnen schafften es nicht bis ins Ziel. Schlimm waren auch die Kinder. Respektive einzelne Kinder. Die meisten rennen einfach neben uns her, rufen immer noch "you, you", und schreien jedes englische Wort, das sie kennen. "What's your name?" ist Standard, und "Where are you go?", aber auch tiefer schürfende Fragen wie "What is your mission?". Viele rufen halt "Money, money", und manche versuchen das auch handfest durchzusetzen. Lausbuben eben. Ich wurde heute von sieben Steinen getroffen, zum Teil recht schmerzhaft. Es ist schon hart, wenn eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen Steine schmeissen. Andere FahrerInnen wurden noch viel heftiger getroffen. Nun tragen die Männer hier immer einen Stecken über den Rücken, als Allzweckmittel - die äthiopische Version des Schweizer Sackmessers -, und die Jugendlichen ab etwa zwölf Jahren tun es ihnen nach. Desmond stürzte, weil ihm einer einen Stecken in die Speichen hielt, und manch einer erhielt einen Stecken auf den Rücken geschlagen. Es sind wirklich nur wenige, die so etwas tun, aber das prägt sich halt schmerzhaft ein. Wenn Erwachsene in der Nähe sind, greifen sie meistens ein, und die Soldaten, die uns begleiten, beschützen uns sehr effektiv. Sie stellen sich einfach in den Dörfern an den Strassenrand, das reicht schon. Aber das können sie nur so lange tun, wie wir alle noch nah beieinander fahren. Wenn die Abstände grösser werden, ist man wieder auf sich allein gestellt. Und zwischen den Dörfern hat es eben auch unzählige Kinder, die in den Feldern arbeiten oder einfach Unfug treiben. Der Tour-Verantwortliche gibt eher hilflose Ratschläge: Wir sollen uns ebenfalls mit Stecken und Stein bewaffnen,damit drohen und sie nötigenfalls auch präventiv einsetzen. Mit Steinen gegen Kinder?
Der nächste Tag war genau so schwer. Doch die Nilschlucht war grossartig und bot eine spektakuläre Aussicht! Endlich eine lange, lange Abfahrt, bei der die Hände einigermassen mittaten und die Federung so richtig schön funktionierte. Die Strasse ist schrecklich - für Autos. Sie war mal asphaltiert, aber vom Asphalt sind nur noch Resten vorhanden. Ideal also für einen langen, langen Slalom um jedes Schlagloch herum. 20 Kilometer ging es runter, von 2500 Metern auf 1170 Meter. Mit dem Lastwagen dauert das rund anderthalb Stunden, mit dem Velo hatte ich gerade mal 36 Minuten. Und dann ein Juchzer auf der allerletzten Nilbrücke, die wir überqueren, und auf der anderen Seite wieder hoch. Ebenfalls 20 Kilometer, und zurück auf 2500 Meter. Hat Spass gemacht! Oben, im Hochland, beginnt dann die nigelnagelneue Asphaltstrasse, und sie ist in wunderbarem Zustand.
90 Kilometer Asphalt mit gut 1000 Höhenmetern können wie Ferien sein. Will verkündete für den nächsten Tag einen "Waffenstillstand", und Scott, Rob und ich waren einverstanden. Wir sind die vier Führenden. Mein Rückstand auf den Gesamtzweiten Will liegt bei knapp drei Stunden, mein Vorsprung auf den Vierten Scott bei etwa neun Stunden. Erinnern Sie sich an Assuan? Als ich der einzige war, der weniger als eine Stunde hinter Rob lag? Nun sind nur noch Will und ich weniger als zehn Stunden hinter Rob! Allerdings wird sich da noch einiges ändern, denn für das Gesamtklassement gibt es am Ende fünf Streichresultate. Das System ist nicht gerade logisch, denn gestrichen werden einfach die fünf längsten Zeiten, aber so ist es halt. An der Rangliste dürfte sich deswegen nicht sehr viel ändern. Die 31 TeilnehmerInnen lassen sich grob in drei Kategorien unterteilen: VelotouristInnen, starke TourenfahrerInnen, und RennfahrerInnen. Nun ist es sicher so, dass nicht nur Rob und Will stärkere Fahrer sind als ich. Diverse Leute würden mich in irgendeinem Velorennen wohl locker schlagen, wenn sie in Form sind. Doch die Tour d'Afrique ist anders. Scott, Rob, Will und ich sind die einzigen Rennfahrer, die bisher absolut konstant gefahren sind. Das hängt von vielerlei ab, doch vor allem, wie man seine Kräfte einteilt. Am wichtigsten ist wohl die Fähigkeit, sich immer wieder zu erholen. Andere haben sich an einzelnen Tagen völlig verausgabt und brauchten Tage, um sich zu erholen - und wurden auch anfälliger für Krankheiten. Fordernd sind die extremen Bedingungen, die Hitze, der ständige Wechsel der Strasse, die Höhe in Äthiopien, und so weiter. Viel passiert halt auch im Kopf. Und dann gibt es auch noch Glück und Pech. Es ist übrigens gar nicht einfach, sich gesund zu fühlen, wenn rundherum alle krank werden. Nun, dank "Waffenstillstand" fuhren wir die Etappe in zügigem, aber stetigem Tempo und fühlten uns einfach wohl. Wir erreichten dabei knapp 3100 Meter über Meer, die Luft wurde langsam dünn.
Die Fahrt nach Addis Abeba schliesslich war toll. Eine wunderbare neue Strasse, fast kein Verkehr, hoch, runter, hoch, runter. Ich vermisste das Rennvelo nur ganz wenig, das Bike lief wieder einmal wunderbar. In einer Abfahrt erreichte ich 83 Stundenkilometer. Die ersten neun Tagen Äthiopien waren harte Arbeit - wir brachten wir mehr als 12500 Höhenmeter hinter uns. |
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| 23. Februar 2004 |
| Mal wieder am Boden |
Die erste Etappe nach dem Ruhetag war eigentlich relative leicht und kurz: 90 Kilometer und recht hügelig, aber die Strasse nicht so schlecht. Ich begann schnell, und lag nach einer kurzen Lunch-Pause hinter Dirassa und Rob an dritter Stelle. Da erwischte ich eine falsche Piste, sie erwies sich nach etwa 300 Metern als Sackgasse. Querfeldein wollte ich zurück zur richtigen Piste. Doch da kam der Sturz. Auf harten Grund, und schmerzhaft. Und ich weiss noch nicht einmal, wieso ich stürzte. Kann nicht einmal daraus lernen, ich Depp. Die Motivation war dahin, die Lust auch, und so quälte ich mich durch die wunderschöne Berglandschaft die weiteren 35 Kilometer bis ins Ziel. Die Strecke wurde netterweise schwieriger und schwieriger. Und zum Schluss kam eine schöne, lange Abfahrt, mit Löchern, Wellblech, Sand und grossen Steinen. Da wäre meine so schön funktionierende Vollfederung toll gewesen - wenn nicht meine linke Hand drastisch angeschwollen und kaum mehr zu gebrauchen gewesen wäre. Praktisch einhändig musste ich mich hinunterkämpfen. Die andern spotten schon, ich sei der Fahrer, bei dem nur noch eine Hand richtig funktioniert
Der Rückstand hielt sich dennoch im Rahmen, ich war vorher schnell genug gefahren. Und ich brauche mich auch nicht zu beklagen, ich war "wenigstens" selber schuld. Andere hatten schwere Defekte und verloren dadurch enorm viel Zeit, und knapp die Hälfte aller FahrerInnen leidet unter zum Teil schwerem Durchfall. Sandra etwa konnte stundenlang nichts mehr zu sich nehmen. Sie kam nach zehn Stunden ins Ziel, völlig erschöpft und dehydriert, und sie musste sofort an eine Infusion gehängt warden.
Doch am nächsten Tag, oh Wunder, waren meine Handfläche und mein Daumen zwar hübsch blau, aber sie schmerzten praktisch nicht mehr. Und so konnte ich, nachdem ich mit Zweifeln und unlustig aufgestanden war, wieder ein richtiges Rennen fahren und mir Selbstvertrauen und Lust zurück holen. Und noch ein Wunder: Auch Sandra stand wieder ganz fröhlich auf und fuhr bereits wieder mit den Schnellsten mit. Nun ist bereits wieder ein Ruhetag, in Bahir Dar am Tana-See, das wie ein Städtchen am Lago Maggiore oder an der Riviera anmutet. Ein Genuss, mit viel frischem Fruchtsaft. Und nicht nur das: Ich esse und trinke unterdessen Sachen, die ich mir nie träumen hätte lassen. Süssgetraenke aller Farben, inklusive die klebrige braune Brühe; Porridge mit grässlich süssem Sirup, Erdnussbutter, und was mir halt gerade so in die Hände kommt. Wenn Brot fehlt, schmiert man sich die Erdnussbutter halt auf Waffeln mit Erdbeerpaste.
Nun geht's noch fünf Tage bis Addis Abeba, darunter die zweite Königsetappe: Runter in die Nilschlucht, und auf der anderen Seite wieder einen endlosen Pass hinauf. Addis liegt auf 2400 Metern - und wir werden nach Addis hinunter fahren. |
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| 18. Februar 2004 |
| Das Land der Kinderhände |
Die erste Etappe in Äthiopien. Die Landschaft ändert schnell, stetig steigt es an, bis wir in richtige Bergketten herein kommen. In den Dörfern stehen die Kinder richtiggehend Spalier, rufen "you", klatschen in die Hände oder bilden "You"-Sprechchöre. Ich habe am ersten Tag sicher über 50 Kinderhände abgeklatscht. Lieder steigt die recht gute, aber ungeteerte Strasse nicht so stetig. Es geht 200 Meter hoch, 100 Meter runter, 150 Meter hoch, 50 Meter runter. Nicht so, wie ich es mag. Das ist etwas für Kraftprotze. Erst wie wir höher kommen, werden die Anstiege länger, kann man seinen Rhythmus finden. Es ist immer noch sehr heiss, in der Sonne zeigt das Thermometer am Nachmittag 49 Grad. Und beim Velofahren ist man ja immer in der Sonne. Ich bin froh, dass ich zu jenen gehöre, die in der Regel zwischen 11.30 und 13 Uhr ins Ziel kommen. Ich fahre mein Tempo, erst gegen Schluss, als es steiler wird, hole ich Martin ein, und das Tempo wird höher. Wir holen auch noch Addis ein, und dann Dirasse, unsere beiden äthiopischen Begleiter - die sind nicht irgendwer! Dirasse ist amtierender äthiopischer Mountainbike-Meister, und er war es auch im Vorjahr. Addis holte sich diesen Titel in den drei vorangegangenen Jahren. Ich habe ihnen auf den letzten 10 Kilometern gut 10 Minuten abgenommen, und bin ganz schön stolz darauf. Klar, Äthiopien ist nicht gerade eine Velo-Nation, aber bekanntlich kommen ja ganz hervorragende AusdauersportlerInnen aus diesem Land.
Und nun, einen Tag später, sitze ich wieder einmal in einer schönen Hotelanlage mit prächtiger Aussicht über Gondar. Leider war die Planung wieder einmal nicht so toll - das Hotel ist ausgebucht. So campen wir im Hotelgarten und benützen die Dusche des Personals. Duschen ist dringend nötig: Nach einem Tag Biken in Äthiopien sind Gesicht, Arme und Beine schwarz vor Dreck.
Heute war die erste von zwei Königsetappen in Äthiopien. 90 Kilometer lang, von 1200 Metern hoch auf 2200 Meter. Zuerst ein richtiger Pass, etwas 20 Kilometer lang, und teilweise extrem steil, dazu auch noch Gegenwind. Der Computer zeigte ganze 6, 7 Stundenkilometer. Danach das Bekannte: 200 Meter extrem steil hoch, 100 Meter steil runter. 2060 Höhenmeter waren es insgesamt für die 90 Kilomter. Es war wie zuerst den Grimsel hoch, und dann noch etwa 12 mal den kurzen, steilen Huettiker. 5 Stunden 30 brauchte ich dafür, eine ausgezeichnete Zeit. Vor mir kam - natürlich - Rob ins Ziel, dann Will, und vier Minuten vor mir noch Addis. Damit bin ich jetzt eindeutig Gesamtdritter, wahrscheinlich mit über 2 Stunden Vorsprung auf den Vierten. Ganz genau wissen wir das nicht, weil die Resultate nur etwa alle 10 Tage bekannt gegeben werden.
In Gondar ist es dank der Höhe nicht mehr ganz so heiss, doch die stechende Sonne macht auch zu schaffen. Jetzt kommt, nach sieben Tagen Fahren ohne Pause, erst einmal ein Ruhetag.
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| 18. Februar 2004 |
| Der Sudan fordert noch einmal |
Am letzten Morgen in Khartum kam noch das sudanesische Fernsehen ins Camp. Sie interviewten mich in Arabisch! Wenigstens informierten sie mich eine halbe Stunde vorher, so konnte ich mir die richtigen Sätze zurechtlegen.
Wegen Problemen mit dem einen Lastwagen fuhren wir erst um halb zehn los, so richtig in die Hitze rein. Die sudanesischen Rennvelofahrer brachten uns wieder bis an den Stadtrand. Dann 145 Kilometer auf der wichtigsten Strasse des Sudan, die von Khartum nach Port Sudan führt. Lastwagen um Lastwagen, Bus um Bus. War ganz schoen gefährlich, und es wehte ziemlich starker Seitenwind. Nichts schönes! Dafuer muntern uns die Fahrer auf, rufen uns zu, strecken die Daumen in die Höhe.
Unerwarteterweise war die Etappe sehr selektiv. Rob und überraschenderweise Bart fuhren einen Vorsprung von 19 Minuten auf Will, Martin und mich heraus, die anderen verloren noch weit mehr Zeit. Dafür neigen die Beine schnell dazu, zu uebersäuern. Und die Schreckensmeldung des Tages: Daves Rahmen ist gebrochen! Doch er konnte noch am gleichen Abend im Dorf wieder zusammen geschweisst werden bisher hat er gehalten.
Der Übergang in eine andere Klimazone, direkt vor Khartum, war frappant. Vorher die kalten, klaren Wüstennächte mit den recht angenehmen Temperaturen tagsüber, trotz stechender sonne. Doch jetzt wird's richtig heiss, auch spätabends noch. Erst am frühen Morgen kühlt es ab. Wir hatten keine Chance, uns langsam an die Hitze zu gewöhnen. Es ist, wie wenn man in Uri bei Regen in den Tunnel fährt, und im Tessin bei blauem Himmel und Sonnenschein wieder heraus kommt. Nur sind da keine Berge und kein Tunnel, landschaftlich gibt es keinen sichtbaren Unterschied. Etwas nach Khartum dann doch noch: Die Wüste ist eindeutig zu Ende! Ein undefinierbares braun-grün dominiert nun. Je weiter man kommt, desto grüner wird es, auch Bäume gehören wieder zum Landschaftsbild, nicht nur die Dattelpalmen des Niltals. Viehherden werden alltäglich. Und noch ein frappanter Unterschied: Die Häuser des Nordens im Niltal manchmal recht ansehliche Anwesen, nachher immer aermlicher werden abgelöst durch Rundhütten mit Strohdach.
Die insgesamt drei Asphalt-Hauptstrassen-Etappen haben gehörig selektioniert, denn sie waren lang und windig. Wir fuhren in Richtung Südosten, auf endlosen Geraden, je länger, je mehr östlich. Der Wind wehte stetig und stark aus Nordosten, uns also immer mehr ins Gesicht. Die Hitze machte einigen, darunter auch starken FahrerInnen, sehr zu schaffen. Einzelne konnten die Etappen nicht fertig fahren, und Wolferd konnte gerade noch vom Rad steigen, bevor er sich halb bewusstlos in die pralle Sonne legte. Zweimal kamen Rob und Bart zuerst ins Ziel, dann Will und ich, zusammen mit Scott oder Martin. Will und ich fahren auf Asphalt übrigens seit Kairo praktisch immer zusammen - hätte ich nicht die Zusatzschlaufe in der Wüste gemacht, wir lägen im Gesamtklassement weniger als zehn Minuten auseinander. Auch im Zeitfahren fuhren wir ja exakt die gleiche Zeit. Am letzten Tag auf Asphalt legte Will aber noch einmal zu und gewann seine erste Etappe; er hate für die letzten 5 Kilometer die besten Beine. Dieser Tag hat uns alle ganz schön geschlaucht. Ich leide auch: Die Beine schmerzen nach der Zielankunft.
Der erste neuerliche Tag Off Road ging aber erstaunlich gut, die völlig übersauerten Beine hatten sich bereits erholt, warum auch immer. Ich fuhr mein Tempo, ohne gross zu forcieren, und kam als fünfter mit akzeptablem Rückstand ins Ziel. Der grosse Mist kam danach: Mein Velocomputer ist spurlos verschwunden. Von John konnte ich mir einen ausleihen, aber der ist halt viel simpler. Von nun an muss ich ohne Pulsmesser fahren. Das spielt eigentlich auch keine Rolle mehr, denn ich fuhr in den letzten Tagen stundenlang immer Puls 118 bis 132, das war das Tempo der Gruppe, und das war das Tempo, das ich über längere Zeit noch gehen kann. Über 140 Schläge bringe ich den Puls kaum 10, 20 Minuten. Aber wenn man sich an den Pulsmesser gewöhnt ist - ich weiss halt immer, dass ich in der richtigen Zone bin. Doch es ging ohne erstmal sehr gut. Ich fuhr mein Tempo, liess mich am Anfang von den Schnellsten abhängen, doch ich überholte sie einen nach dem anderen wieder. Schliesslich schloss ich - mit Scott im Schlepptau - sogar zum zweitplatzierten Will auf. Dann lieferten wir uns wieder einmal ein richtiges Rennen. Aber keiner kam entscheidend weg, und so erreichten wir zu dritt das Ziel, gerade mal 5 Minuten hinter Rob, aber mit riesigem Abstand gegen hinten. Das brachte mir den dritten Platz im Gesamtklassement ein!
Der Grenzübertritt - der Sudan ist geschafft, wirklich! - war einer der bemerkenswertesten, den ich erlebt habe. Hier muss ich noch einmal auf den undichten hinteren Stossdämpfer zurück kommen. In der Schweiz wurde er tatsächlich Richtung Khartum abgeschickt (danke, Remo von Rocky Mountain!). Doch die famose Firma UPS brauchte offensichtlich acht Tage, um heraus zu finden, dass sie nicht in den Sudan liefert, und das Paket wieder beim Absender abzuliefern. Nun lief es per DHL, und es ist tatsächlich am Freitag in Khartum angekommen. 2 Tage nach unserer Abreise. Nun verbrachte ich 2 Stunden auf der sudanesischen Seite der Grenze, in der Hütte mit dem Dorftelefon, um herauszufinden, wo der Dämpfer denn unterdessen hingekommen ist. Dann wechselte ich halt doch nach Äthiopien - unser sudanesischer Begleiter Midhat bemühte sich weiter am Telefon -, und da war noch bei der Passkontrolle die schönste Party im Gange. Scott etwa sass schon zwei Stunden da, und hatte einige Flaschen Bier getrunken. Alle kompensierten ihre 17 Tage "Zwangsabstinenz". |
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| 09. Februar 2004 |
| Khartum! Die Sandwüste liegt hinter uns! |
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Vorerst ging es im gleichen Stil weiter, mit Pleiten, Pech und Pannen allerseits. Nur: Diesmal stand ich blöd da! Die erste Etappe nach Dongola führte nach Gouled el-bahri, etwa 85 Kilometer, durch die Wüste, das Niltal immer in Sichtweite. Doch das Tal war manchmal ganz schön weit weg. Vor mir waren bloss drei Leute, im tiefen Sand habe ich sogar Rob mit seinem Rennvelo noch überholt. Dann zeigte der Computer schon mehr als 90 Kilometer. Doch der grosse Lastwagen war oft in Sichtweite, er kämpfte mit dem Sand. Dennoch schien es mir schon ganz schön weit. Nach einer Weile stiess ich auf die Spuren von Scott und Eric - sie hatten gleich gedacht und gehandelt. Ein Mann erklärte mir den Weg: 15 Kilometer im Niltal zurück! Ich wendete, und musste erstmal etwa zwei Kilometer durch den Sand schieben. Im starken Gegenwind. Letztlich brauchte ich für die 15 Kilometer gut zwei Stunden. Ins Camp kam ich als fünftletzter, ich habe an diesem Tag etwa zweieinhalb Stunden verloren. Rob hatte, zusammen mit Mike, schon früher gewendet, dank seinem GPS. Scott und Eric hingegen kamen erst abends um halb elf; sie wurden 40 Kilometer südlich gefunden und mit einem Pick-Up zurück gebracht. Im Gesamtklassement haben mich deshalb Sandra und Arthur überholt, ich meinerseits habe Eric überholt. Am nächsten Tag sollte wieder etwas Ruhe einkehren, darum fuhren wir alle die Etappe gemeinsam. Das ist immer sehr ermüdend, denn man fährt wahnsinnig langsam, mit vielen Stopps und Pausen, und ist den ganzen Tag unterwegs. Danach folgten lange Etappen, aber wir erreichten endlich wieder den Asphalt.
Ich habe die Sandwüste letztlich viel besser hinter mich gebracht, als ich gehofft habe. Insgesamt musste ich etwa vier Kilometer zu Fuss gehen und schieben. Auf Asphalt wird nicht mehr so hart gefahren wie in Ägypten, man geht nicht mehr bei jedem Angriff mit, und je nach Tagesform lässt man früher abreissen. JedeR versucht, so ökonomisch zu fahren wie möglich.
Als letztes Zückerchen bis Khartum gab es noch ein Zeitfahren. Die Distanz war nicht genau bekannt, aber es hiess, länger als 50 Kilometer. Das Ziel kam schliesslich nach 55 Kilometern. Die Strecke war relativ flach, schlechter Asphalt, aber leichter Rückenwind. Bin maximal gekoilt und belegte schliesslich zusammen mit Will den zweiten Platz: 1 Stunde 32 Minuten für die 55 Kilometer. Am Stadtrand dann warteten sudanesische Rennvelofahrer auf uns und leiteten uns durch das Verkehrschaos der Hauptstadt. Dabei überquerten wir die erste Brücke über den Nil seit Assuan!
Es ist jetzt deutlich wärmer, beziehungsweise schon ganz schön heiss, auch die Nächte sind nicht mehr so kalt. Wir haben jetzt die ersten zwanzig Etappen zurückgelegt, also genau einen Fünftel der ganzen Tour. Und der Kilometerstand ist schon deutlich über 2000. Im Gesamtklassement bin ich weiterhin fünfter, mit gut zwei Stunden Differenz nach hinten und nach vorne. Wenn nichts ausserordentliches passiert, werde ich also eine Weile fünfter bleiben.
Sorgen machen mir die Prothesen: Am oberen Rand blättert bei beiden der Karbon ab. Habe die betroffenen Stellen erstmal mit starkem Isolierband gesichert und schaue, wie sich das entwickelt.
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| 04. Februar 2004 |
| Der Dämpfer |
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Die Fahrt nach Abu Simbel war lange. Ich fuhr die beiden Etappen in meinem eigenen Tempo, und erreichte dank Rückenwind das Ziel jeweils einigermassen zeitig. In Abu Simbel verbrachten wir einen herrlichen Ruhetag in einer Hotelanlage über dem Stausee. Danach die lange Bootsfahrt in den Sudan. Auf dem Schiff bereiten sich alle geistig immer mehr auf die Wüste vor - keineR weiss genau, was uns erwartet. Einige bringen noch auf der Fähre ihre Velos in Schuss, machen sie wüstentauglich, wechseln die Reifen. Wobei einige die gleichen Pneus montieren, die andere eben abgenommen haben. Keiner weiss, was wirklich die richtige Wahl ist. Und längst nicht alle haben eine grosse Auswahl - ich habe Slicks, und ich habe dicke Stollen. Sonst nichts.
Die sudanesischen Beamten beeilten sich bei der Zollabfertigung zwar, aber alles dauerte halt seine Zeit. Zur ersten richtigen Wüstenetappe konnten wir deshalb erst in der Mittagshitze starten. Sie war deshalb nur etwa sechzig Kilometer kurz, hatte es aber in sich. Die erste Sanderfahrung: Laufen lassen im Sand, einfach laufen lassen. Nicht gegensteuern, dann geht's. Ich arbeite hart, erkämpfe mir den dritten Platz, und das trotz Sand. Doch dann, bei Kilometer 49, ein Platten. Das Felgenband war herumgelitzt. Gemeinsam mit Scott, der mir hilft, komme ich trotzdem als vierter ins Ziel. Toll! Im Sand fahren geht: Immer schön schön laufen lassen. Nur wenn es zu tief wird, muss man absteigen, aber das sind heute nur ganz kurze Passagen. Im Ziel, beim Absteigen, erfasst mich ein Windhauch, oder was immer..., ich komme nicht rechtzeitig aus den Klickpedalen und kippe einfach auf die rechte Seite. Doch das gehört ab sofort dazu: Mindestens ein Sturz pro Tag, einfach, weil ich nicht schnell genug aus den Pedalen komme. Der Sand verklemmt den Mechanismus ein wenig und macht das Ausklicken strenger.
In der ganzen Zeit, und bis zum Einschlafen, begegnete uns auf dieser Piste kein einziges Auto. Nur zwei Kamele und einen Esel überholten wir.
Schliesslich der Dämpfer: Mein hinterer Stossdämpfer ist nicht dicht, verliert den Druck innert Stunden. Reparieren lässt er sich nicht. Per Satellitentelefon bestelle ich einen Ersatzdämpfer in unser Hotel nach Khartoum, das wir in rund zehn Tagen erreichen werden. Hoffentlich klappts. Bis dahin muss ich rund alle zwei Stunden nachpumpen. Aber abgesehen vom Stossdämpfer und dem Platten bin ich glücklich mit dem Bike, den gewählten dicken Stollenpneus, und werde immer mutiger.
Die nächste Etappe war lang, immer knallhartes "Wellblech" und Sand, wenig Ausweichwege. Das geht vor allem in Arme, Finger und Rumpf. Bereue es zum ersten Mal seit langem, dass ich nicht mehr in den Kraftraum gehe. Die Finger vermögen kaum, mit einem Kugelschreiber zu schreiben. Und unsere Fahrräder sehen nach zwei Tagen Wüsten-Off-Road schon aus, wie wenn sie zwei Jahre nicht geputzt worden wären. Putzen ist übrigens nicht so einfach, mit kaum Wasser (und schon gar nicht fliessendem). Einmal blieben Martin, Mike und ich völlig im Sand stecken. Ich ging von Anfang an nicht mit mit den Schnellsten. Hat sich relativ gelohnt: Ich war nicht so sehr erschöpft, dafür blief sich der Rückstand auf Sandra und Arthur auf über eine halbe Stunde. Auf die anderen hielt er sich aber im Rahmen. Die Ankunft war toll. Zum ersten Mal seit Wadi Halfa erreichten wir wieder den Nil, zu dem wir doch die ganze Zeit parallel gefahren sind. Ein kleines Dorf, der breite Strom, ein schmaler grüner Streifen dem Fluss entlang, und dahinter Sanddünen. Leider wehte der Wind zu stark, und wir mussten etwas abseits des Flusses campen.
Die nächste Etappe war deutlich einfacher, und für die hundert Kilometer - zum ersten Mal hundert Kilometer in der Wüste! - brauchte ich nur knapp viereinhalb Stunden. Ich hatte gute Beine, von Anfang an. Platz 4! Wir übernachteten direkt am Nil, in einem Palmenhain.
Dann kam ein höllischer Tag! Angekündigt waren 90 Kilometer, zuerst anstrengend, dann eine Abkürzung durch die Wüste, einfach zu fahren. Ich fuhr am Anfang schnell mit, doch dann hat's mich komplett aufgestellt. Die Strecke war einfach zu schwierig. Immer hoch und runter, Löcher, Sand, Wellblech und faustgrosse Steine. Man konnte keine zwei Minuten den Rhythmus behalten, nie. Dafür fehlt mir einfach die Kraft in den Beinen, ausserdem war ich wohl müde vom Vortag. Schon vor dem Lunch-Stopp fuhr ich nur noch auf Ankommen. Pause nach 45 Kilometern. Nach weiteren 35 oder so ab in die Wüste. Es hiess, es habe Dutzende von Spuren, aber alle führten nach Kerma - kein Problem, das Ziel sei am Stadteingang. Doch die Strecke war unglaublich hart und lange. Nach 115 Kilometern erreichten wir schliesslich den Stadtrand. Ich hatte anscheinend eine gute Route gewählt, denn ich kam schliesslich trotz dem schlechten Tag als sechster nach Kerma, aber völlig erschöpft. Für die insgesamt 120 Kilometer brauchte ich sechseinhalb Stunden! Dafür dann die Belohnung: Ein wunderhübsches Café am Nil, schüsselweise Bananen-Fruchtsalat und etwa ein Liter Guava-Saft.
Doch dann häuften sich die Probleme: Die FahrerInnen kamen nur vereinzelt an, und der eine Lastwagen blieb ohne Benzin in der Wüste stecken. Der andere Lastwagen machte sich auf, zu helfen und FahrerInnen zu suchen. Es wurde dunkel, und nichts geschah. Die letzten fünf FahrerInnen kamen schliesslich aus einem Nachbardorf per Sammeltaxi, glücklich im Unglück. Wir hatten derweil ein "Hotel" gesucht: ein Häuschen mit zwei, drei Schlafsälen. Dort teilten wir uns jeweils zu zweit ein Bett und schliefen in den verschwitzten, dreckigen Veloklamotten. Dänu meinte am Morgen, ich sähe aus wie der letzte Bellevue-Penner! Spät in der Nacht kamen die beiden Lastwagen.
Die nächste Etappe nach Dongola war kurz, ruhig und ohne Zeitmessung. Wir überquerten den Nil in kleinen Booten. Der Nil ist hier ganz ruhig und langsam, aber trotzdem wirkt alles noch wild, weil der Flusslauf nirgends korrigiert ist. Überhaupt das Tal: Ein schmales grünes Band mit dem weiten Fluss, mitten in der Wüste. Die Dörfer liegen eher am Rand. Links die Wüste, und rechts das Tal. Der grosse Lastwagen blieb mit einer Panne wiederum in der Wüste zurück, und so erhielten wir unser Gepäck und andere Kleider erst spät abends.
In Dongola bin ich zu meiner eigenen Überraschung immer noch vierter im Gesamtklassement, die bisherigen Wüstenetappen beendete ich stets zwischen Platz vier und acht. In Führung liegt weiterhin Rob, der - als einziger mit einem Rennvelo unterwegs - wahre Heldentaten vollbringt. Sandra, die Weltklasse-Mountainbikerin, und Arthur, der in der Wüste nicht zu schlagen ist, werden mich wohl bald ebenfalls überholen, doch den siebten Platz kann ich vielleicht über längere Zeit verteidigen.
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| 25. Januar 2004 |
| Die Sekunde von Assuan |
Assuan ist erreicht! Endlich sind wir im Niltal, seit drei Tagen jetzt schon. Endlich wieder unter Leuten, da, wo Ägypten lebt. Luxor war erholsam, Vollbad nehmen, Wäsche waschen, relaxen. Die nächste Nacht campierten wir in Edfu, auf dem Fussballplatz des Städtchens. Hier ist auch der Sicherheitswahn verschwunden, unser Campingplatz war belagert von fünfzig Kindern. Unsere Star-Mountainbikerin Sandra bot ihnen eine Show auf dem Bike, mit allen Trickchen. Ansonsten schöne, gemächliche Strassencafes, die AusländerInnen auch Bier anbieten. Wir tranken es im Lokal der Nationalen Partei, unter dem Bild des Staatspräsidenten, das Bier angeliefert per Pferdekutsche.
Im Rennen wenig neues. Rob und Eric sind meist ein Hauch schneller als wir anderen, doch oft kommen wir auch zusammen an. Heute haben wir die 1000-Kilometer-Marke überschritten unser Tempo ist hoch! Bisher war jede Etappe deutlich über 30 Stundenkilometer im Schnitt, und das über wirklich lange Distanzen, und mit dem Mountainbike. Mein Bike läuft wunderbar, es verhält sich auf Asphalt wie ein Rennrad. Bin gespannt, wie es dann off Road geht. Die anderen kommen langsam besser in Form, und heute waren wir bei der Zielankunft so viele wie noch nie, nämlich neun miteinander. Haben uns in Assuan an der Corniche des Nil einen richtigen, fünf Kilometer langen Schlusskampf geliefert, die Strasse wurde von der Polizei perfekt frei gehalten. Wir waren alle völlig am Limit.
Im Gesamtklassement bin ich immer noch Zweiter. Und der letzte, der weniger als eine Stunde Rückstand auf Rob hat nämlich genau 59 Minuten, 59 Sekunden. Meine Fahrzeit insgesamt liegt bei etwa 31 Stunden. Eric ist noch etwa zehn Minuten hinter mir, ich werde den zweiten Platz wohl noch vor Abu Simbel abgeben müssen. Aber hat Spass gemacht, so lange so weit vorne zu sein und immer tapfer um jede Minute, jeden Platz zu kämpfen. Jetzt geht's wieder zwei Tage durch die Wüste, auf einer Strasse, die normalerweise für den Privatverkehr und für Velos gesperrt ist. Dann setzen wir per Fähre über den Nasser-See in den Sudan. |
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| 22. Januar 2004 |
| Die erste Tourwoche ist vorbei |
Luxor ist erreicht. Etwas über 800 Kilometer sind wir in sechs Renntagen gefahren. Und ich konnte den zweiten Platz bis Luxor retten. Hat einfach Spass gemacht, in dieser Woche in Ägypten ein richtiges Etappenrennen zu fahren. Im Sudan muss ich dann ja auch darum kämpfen, nur schon das Etappenziel zu erreichen.
Die letzte Etappe von Qena nach Luxor wieder zurück am Nil fuhren wir im Konvoi und mit riesiger Eskorte. Der Verkehr wurde gestoppt, und in jedem Dörfchen winkten und schrien uns ganze Schulklassen zu.
Gestern ging es noch einmal heftig zu und her. Die Etappe sollte nur 90, 95 Kilometer lang sein, aber zum ersten Mal in die Hügel rein. Ich hatte gute Beine. Der Anstieg war fast permanent, aber nie steil. Eine schöne Strecke! Rob fuhr auf und davon, natürlich. Wir vier anderen schnellen Leute führten im Feld ständig, mit einzelnen anderen Ablösern. Ziemlich langweilig. Darum begannen wir richtig zu koilen, der Puls ging hoch bis 169. So wurden wir die anderen nach und nach los. Doch beim Lunchstop hiess es: Die Polizei hat die Route geändert, heute dauert es 145 Kilometer. Shit. Weder genug zu trinken noch zu essen. Wir nahmen Tempo weg und lösten uns zu fünft in der Führung ab, jeder fuhr immer schön etwa 5 Minuten lang vorne. Aber was sind das für respektlose Ignoranten, die die Distanz mitten in der Etappe um die Hälfte erhöhen! Am Vortag hatte uns die Polizei dafür schon 15 Kilometer vor der angegebenen Länge gestoppt. «Finish is here!»
In den letzten Hügeln vor Km 145 wird nochmal leicht gekoilt, doch dann kommt das Camp nicht! Wir mussten nochmal etwa 15 Kilometer fahren, bis wir an einem elenden Polizei-Checkpoint, am Eingang zu Qena, in einer Mondlandschaft ankamen. Zu verdanken haben wir dies dem hiesigen Sicherheits-Wahn, gemischt mit Bürokratie und grenzenloser Inkompetenz der Offiziere. So etwas kommt in dieser Tour wahrscheinlich nur in Ägypten vor. Trotz der Überlänge der Etappe schafften es fast alle auf dem Velo bis ins Ziel. Froh und vergleichsweise munter erschien auch mein Zürcher Kollege Daniel Ludwig (auch er ein gelegentlicher WOZ-Autor). Er hatte unterwegs einen Offizier beschimpft, das verbesserte sein Laune erheblich. Seine Version der Tour lässt sich übrigens regelmässig auf www.danielludwig.ch nachlesen.
Meine Beine sind weiterhin gut, doch sitzen macht bereits ein bisschen Probleme. Werde wohl den Sattel auswechseln. Und die schweissbedingten Rötungen in der Kniekehle, oberhalb des Prothesenrandes, machen mir auch zu schaffen. Weniger zu schaffen macht mir, dass die Tour nach den exakten Routenplänen nun 11500 Kilometer lang sein soll statt wie angekündigt 10500. Ich hoffe, die vielen SpenderInnen, die zugesagt haben, pro gefahrenen Kilometer zu spenden, nehmen das ebenfalls locker.
Doch nun geniessen wir den freien Tag, das weiche Hotelbett und das schon fast städtische Leben in Luxor. |
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| 20. Januar 2004 |
| Ex-aequo-Etappensieg in der allerersten Etappe |
Das habe ich mir ja eigentlich gewünscht: Einen Etappensieg bei der Tour d'Afrique. Das es aber so schnell gehen sollte...
Der Start vor Sphinx und Pyramiden war ein Spektakel, für uns und für die Medien. Danach ging es gut eine Stunde über Kairos Stadtautobahnen, als neutralisiertes Rennen, aber bestens eskortiert von der Polizei. Freie Fahrt durch Kairo! Dann begann das eigentliche Rennen. Ein paar Leute machten Tempo, und wir wurden vorne immer weniger, einer nach dem anderen fiel zurück. Schliesslich fuhr nur noch Rob an der Spitze, der einzige, der die Tour mit einem Rennvelo fährt. Ich wollte mich nicht abhängen lassen, nahm mich einfach Wunder, wie weit er es treibt. Schliesslich waren wir nur noch zu zweit. Die Etappe war recht kurz angekündigt, nach 100 Kilometern sollte das Ziel schon kommen. Alles beinahe flach, alles langweilige Wüstenautobahn. Doch das Ziel kam nicht, und Rob wurde müde. Ich auch, übrigens. So musste ich halt führen, und das nicht zu kurz. Schliesslich kamen wir nach 135 Kilometern ins Ziel - sicher eine Viertelstunde vor dem nächsten Fahrer.
Die nächsten Etappen ähnelten sich. Immer gut 150 Kilometer, immer Autobahn, immer recht flach. Gestern und heute ständig dem Roten Meer entlang, morgen werden wir von hier (Safaga) aus wieder Richtung Niltal ziehen. Wir sind etwa 12 FahrerInnen, die wirklich Tempo machen, die anderen schauen, dass sie rechtzeitig ins Ziel kommen. Dank Rückenwind hatten wir einmal einen Schnitt von über 40 Stundenkilometern so schnell bin ich noch nie 150 Kilometer gefahren. Bereits jetzt haben nur noch 3 Fahrer einen Rückstand von weniger als einer Stunde auf Rob. Ich liege (noch) an zweiter Stelle des Gesamtklassements, aber das wird sich schnell ändern, denn ich werde von nun an viel langsamer fahren. Werden ja noch viele Kilometer kommen, und die sind nicht immer so einfach zu fahren wie auf einer ägyptischen Autobahn...
Die Laune ist jedenfalls noch gut, und die Beine sind es auch. |
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| 11. Januar 2004 |
| Treffen mit Micheline Calmy-Rey |
| Die unglaublich grosse Hilfe und Unterstützung, die ich vor der Abreise erfahre, erreicht am Sonntag, 11. Januar, in Genf sozusagen einen Gipfel. Die Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey wünscht mir alles Gute. Sie hoffe, dass die Schweizerinnen und Schweizer möglichst viel pro von mir gefahrenen Kilometer für den Kampf gegen Minen spenden, sagt sie den Westschweizer Medien. |
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| 18. Dezember 2003 |
| Vor dem Start |
| Die letzten Wochen vor dem Start haben begonnen!
Die längsten Trainingseinheiten sind vorbei, in winterlichen
Verhältnissen trainiere ich jetzt vor allem mit dem Mountainbike
auf der Strasse. Abflug nach Kairo ist am 14. Januar 2004. Der Start der
Tour erfolgt am 17. Januar bei den Pyramiden. Danach folgen hier so
oft wie möglich und nötig direkte Informationen aus Afrika. |
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